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Basilikum

vor 16 Stunden
4 Min. Lesezeit

Der Lieferdienst um die Ecke bringt den Totenschädel mit der Pizza direkt an den Mann. Es gibt keinen Zwischenhändler. Ist das noch zeitgemäss? Das Gewerbe ist auf Abwege geraten. Seit Crans Montana sind wir alle gewarnt. Die Pizza sei früher gut gewesen, ja, heute schmecke sie ranzig. Und das für fünfundzwanzig Franken achtzig. Der Mozzarella ist abgelaufen, er hat es gesehen, im Kühlschrank beim Türken. Grüne Lämpchen tanzen auf dem Käse. Vom Pizzaskandal ist die Rede. Das Volk ist aufgebracht. Auch Konstantin Wecker muss jeden Tag den Nazi in sich bekämpfen. Er gibt Kurse, wo man lernt, wie das geht. Eine gute Sache, holt er doch, bevor es zu spät ist, die Leute von da weg, wo sie stehen. Aber schau auf dem Handy! Die AFD ist im Stadtrat. Jetzt ist es wichtig, den Karton ruhig zu halten, sonst fällt der Knochen von der Pizza und wir haben den Salat. Markus Lanz gibt eine Sondersendung: In den Neunzigern war eine Pizza noch eine Pizza, eine Videothek noch eine Videothek. Manchmal hatte sich das Band verheddert, aber man nahm sich die Zeit, es wieder einzurollen. Es gab Stephen King in der grossen Box. Einem Untoten fiel ein Ohr in die Suppe. Das war heiter. Wir waren Handwerker, Naturmenschen, tranken Dosenbier und konnten Goethe rezitieren. Wer kann das heute noch? Thilo Sarrazin hätte gerne etwas dazu gesagt, aber er steckt im Stau.


Die Strasse ist schmutzig, die Häuser leiern von Verfall. Deshalb wurde hier die letzte Szene für den Film «Die Brücke» gedreht. Wir müssen bald dort sein, die Redaktion wartet nicht, es ist ein eiliges Geschäft. Vielleicht schaffen wir es vor dem Krieg. Er ist leise, man hört ihn fast nicht, er findet im Internet bei Blut- und Leberwurst statt, bei Regen im Saal. Rechts ist ein Kindergarten gestorben, aus den verschossenen Fenstern raucht eine Zigarette, daneben sitzt das Garnknäuel. Mama sang ein Lied. Einst waren ihm Haare aus dem Auge gewachsen. Ein Fehler bei der Geburt. Man fuhr nach Zürich, um es zu reparieren. Im Speisewagen kochten Männer mit grossen Hüten Suppe. Man sprach mit dem Doktor, doch das Angebot überzeugte nicht. Also lebte er mit dem Fehler in Friedenszeiten. Ein haariger Friede, spottet das Garnknäuel. Was für ein haariger Friede! Es lacht. Nur nicht zurückschauen. Nach vorne blicken, dann wird alles gut. Alles wird gut. Hitler hält eine Rede im Radiomuseum. Man pflegt gute Nachbarschaft. Ist der Besitzer des Museums ein Nazi? Eigentlich ist er lieb, aber schlafwandelt er, trampelt er durch die Wohnung, macht den Hitlergruss und schreit zum Teufel. Vielleicht müsste er einmal mit Wecker sprechen. Der zeigt ihm, wie er das Problem in den Griff bekommt. Oder müssen wir einfach mehr Nazi wagen? Erinnerungspolitik ist doch wichtig. Ob die Zeit reicht? Wir müssen den Zug erwischen, bevor der Krieg losgeht. Aber jetzt schnurrt eine Katze am Strassenrand, dass der Boden zittert. Sie ist sehr gross und lässt ihn nicht aus den Augen, sie ist antik und fackelt nicht lange. Früher waren Katzen so. Titus wurde von einer angefallen und schwer verletzt. Aber das steht nicht in den Geschichtsbüchern. Man will den Ruf der Katzen nicht schädigen. Wir müssen doch weiter. Der Artikel in der Tasche ist verklebt. Wir nehmen die Bobbahn. Das geht schneller.


Der Leiterwagen von Grossmutter hat schon bessere Tage gesehen, er ist ein Klotz am Bein. Wer ihn nicht handhaben weiss, fällt hin. Es ist wirklich gefährlich, glaub mir, schon mancher hat sich die Zähne abgeschlagen. Der Asphalt ist hier härter als anderswo. Er zieht ganz vorsichtig, fällt hin. Vor der Haustür sackt der Boden senkrecht ab. Unbezahlte Rechnungen liegen im Briefkasten, doch er kommt nicht hin. Jetzt hat er ein Problem, schon wieder. In der Grube tanzt ein Mann, der singt. Es klingt vollkommen falsch, aber das ist doch jetzt nicht wichtig.  Könntest du den Briefkasten für mich aufmachen? Nur dieses eine Mal. Es hat unbezahlte Rechnungen drin. Es ist mein letzter Wunsch. Er wirft den Schlüssel in die Grube und geht mit den Rechnungen zurück in die Wohnung. Es müsste die Seine sein, aber man ist nicht sicher. Die Spurensicherung war hier. Die Wohnung ist riesig und schimmlig, er kennt sich nicht aus. Ein Raum ist versiegelt. Er hofft, dass der Boden hält. Hätte er sich bloss mehr Mühe gegeben, aber statt zu arbeiten, hatte er die Fingernägel geschnitten und sich erwischen lassen. Jetzt liegt er auf dem Rücken, Tropfen klacken auf dem Holzdach. Er ist vom Regen berauscht und jemand liegt neben ihm. Der Freund von früher. Die Freundschaft habe ihm zu lange gedauert. Diese immergleichen Abende. Er hätte es nur nicht zu sagen getraut. Er sei gestorben, um zu fliehen. Das ist eine bittere Frucht. Wir hatten es doch gut… Jetzt baden wir auf dem Wasserbett. Eine Teekanne pfeift. Irgendwann hat das Morgengrauen den Regen gefressen.


Im Garten steht die Bobbahn. Sie fährt in alle Richtungen. Bitte Anzeige beachten und rasch einsteigen, es eilt, sie fährt nur in Friedenszeiten. In einem Kabäuschen verkauft ein Mann Sandwiches. Man soll nicht mit leerem Magen fahren. Er nimmt eines mit Tomaten. Die Bahn ist sperrig und hüpft immer davon. Christoph Blocher hilft beim Einsteigen. Er ist guter Laune, trotz der missratenen Initiative. Es sei schon besser mit der Bobbahn, die Züge von heute seien doch voll. Übervoll! Aber geht das überhaupt? Dann würde der Zug nämlich gar nicht fahren. Der Computer merkt das. Die Züge sind sicher wie nie, Eschede bestätigt die Regel. Blocher zahlt ihm ein Ticket und der Freund ist auch dabei. So schlecht sei es ja nicht gewesen. Er will die Freundschaft um eine Woche verlängern. Das Leben kann schön sein. Eine Orgel spielt auf der Empore. Er möchte hochsehen, aber moderne Menschen tun das nicht. Es ist besser, vergangenes ruhen zu lassen. Der Artikel ist weg, doch Alain Berset ist da. Er hat jetzt Zeit für Orgelkonzerte. Soll er ein Interview mit ihm machen? Dann hat er etwas für die Redaktion. Aber Blocher hat ihm ein Ticket bezahlt! Lass die Schuld gut sein, sie ist Jahrtausende alt. Er kennt die Musik auf der Empore. Sie ist sein Glück.

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