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Der Sonntag
Am Sonntag sitzt die Familie heil in der blanken Wohnung. Die Unbill der Arbeit und die Fetzen des Alltags hat der Staubsauger geschluckt. Alles ist gut, die Miete bezahlt. Man zeigt der Welt eine zugängliche Miene und sitzt im Kunstleder und kaut Chips. Der schöne Perser blüht und die Stubenfliege summt. Einer steht auf und geht aufs Klo und schlurft zum Leder zurück. Die Familie sitzt vorm Kasten wie ihre pelzigen Vorfahren ums Feuer. Allerlei Fabeln und Mären machen die

Daniel Costantino
6. Mai2 Min. Lesezeit


Reden
Als kämen die Stimmen aus einer anderen Welt. Aus einer Plauderwelt. Plüsch, Flip und Plopp. Mit ihrem Mann habe sie den Garten gemacht. Wie könne man anders bei dem schönen Wetter? Ich pflichtete bei, es stimme, das Wetter ziehe einen förmlich nach draussen. Sie stutzte unmerklich, ging aber nicht auf mich ein, sondern fuhr weiter: Ihr Mann habe es in den Knien, weshalb sie statt er auf die Leiter stieg, um das Gestrüpp himmelwärts zu schneiden. Und wie heiss es schon gewese
Caspar Reimer
29. Apr.3 Min. Lesezeit
Die Befreiung (Teil 3)
III Er schlief viel, zu einer Felswand gehauen, Kuppen im Nebel, schlanken Tiaren. Durch seinen schrattigen Leib rannen die Träume, melodische Skalen, er lauschte dem silbernen Grund. Nachts oder tags erschienen in Rudeln die Seinen, drängende Schatten, Mollusken, eine Pranke tätschte einmal auf ihn, zerschlug das Silber im Grund, in faden Schlieren spie er es aus, die Tiaren donnerten nieder, er, Fels, brach unter grässlichen Skalen zusammen. Das Rudel schrieb ihn drei Tag

Daniel Costantino
29. Apr.3 Min. Lesezeit
Die Befreiung (Teil 2)
II Eine Zone am Rande der Stadt, Transit und Umschlag, Eisenbahnböschung, Lokalindustrie, Gerüste aus Stahl und gläserne Verwaltungskomplexe, Mülldeponien, Häuserfluchten von Regengüssen gezeichnet und schrägen russigen Schatten, schwere, durch den Korridor schnaufende Laster, Taxis, die über die Schwellen der Trasse klatschen, Linienbusse stadtauswärts und Kastenwagen auf dem Weg zu verzweigten Autobahnen, Blechdach auf Blechdach hinausgespült die kleinen Fahrzeuge in der

Daniel Costantino
22. Apr.4 Min. Lesezeit
Die Befreiung (Teil 1)
I Als er seinen verhassten Schüler weder mit üblen Manieren, Schelten, Niedermachen, noch durch ständige Verteuerung der Lektion hatte loswerden können, bestellte ihn der Alte eines Morgens zu frühster Stunde ins Haus und lockte ihn, da der Jüngling mit scheuem Lächeln pünktlich vor ihm erschien, unter dem Vorwand eines Sonnenspektakels aufs Dach, liess ihn vom Estrichboden die Luke mit einem Stecken aufstossen und schwang sich hinter ihm her auf die hohe Terrasse. Sie stan

Daniel Costantino
15. Apr.2 Min. Lesezeit
An der Welt leiden
Wer sich an Bratwurst und Kartoffelsalat zu erfreuen weiss, steht mit beiden Füssen im Leben. Oder ist er doch schon halb tot? Ich schrieb einmal, wie mir gerade in den Sinn kommt, das Leben sei eine Aneinanderreihung von Zuständen. Bei mir zeigt sich das ausgeprägt, ist zuweilen anstrengend. Oder letzte Woche berichtete ich von den Bruchstücken, aus denen mein Leben besteht – jedes für sich mit eigenem Empfinden. Für welchen Zustand also steht die Bratwurst mit dem Kartoffel
Caspar Reimer
8. Apr.3 Min. Lesezeit
Der Bügel des Brillengestells
Wenn ein Bügel des Brillengestells die Uhrzeit des Weckers verstellt, wie soll man das beschreiben? Soll man das überhaupt beschreiben? Bringt einen das irgendwie weiter? Zwar tönt es recht verrückt, andererseits muss so viel langweilige Realität gesagt und gezeigt sein, damit das Verrückte sich erst herausschälen und Kontur annehmen kann, denn einfach so das Verrückte behauptet, dass ein Bügel des Brillengestells die Uhrzeit verstelle und garnichts weiter, wirkt höchst ungla

Daniel Costantino
4. März4 Min. Lesezeit
Die Garage (Teil 3)
III Dann rotes Feuer, stechend gelbe Bälle wie Sonnen. Schöner wäre lange so liegen, die Blume der Hand über den Augen. Dunkelgelb spriesst sie, kornblumenfeld. Bewegung und Klumpen zugleich. Steigend und fallend in eins. Lange Nacht und elf oder zwölf. Es weiss es der Sternstaub. Es weiss es der sprudelnde Bach. Die Blume blüht auch im Finstern. Ripsend und rapsend seit langem, ist Kelch einer knöchernen Hand unterm Tisch oder im Bett, einmal Tisch, einmal Bett, oder auch ni

Daniel Costantino
18. Feb.5 Min. Lesezeit
Die Garage (Teil 2)
II In den Keller hinab führte ihn hernach der Weg, nachdem er ein wenig Atem geschöpft und sich von einer Schwindelattacke erholt hatte. In den Keller hinab musste er nun steigen, wo breitbeinig und schwarz das Eichhörnchen stand, das ihm so treue Dienste erwiesen und ihn durch ganz Europa gefahren hatte, ohne je eine Panne, ohne je das geringste Aufbegehren. Viele Gegenstände im Keller zeugten davon, der allerdings ein wenig aussah wie eine Garage, vielleicht sogar die Gar

Daniel Costantino
11. Feb.4 Min. Lesezeit
Die Garage (Teil 1)
I Das Garagentor war wieder nicht eingerastet. Aber beim Abschliessen hatte er das Schloss doch kontrolliert, hatte am Griff nachgefasst und der war, wie er sein sollte, blockiert gewesen. Merkwürdig, in letzter Zeit kam das immer wieder vor. Er verriegelte die Garage und prüfte nach, und wenn er ein paar Tage später wieder davorstand, fand er, dass jedermann sie ohne Schlüssel hätte öffnen können. Entweder spielte ihm jemand mit einem Nachschlüssel einen Streich oder er ko

Daniel Costantino
4. Feb.3 Min. Lesezeit


Vom Kampf der Geschlächter (Teil 2)
Dieselbe Freundin, mit der er neulich im Park sass, vertrat übrigens in einer Runde die Ansicht, es sei für einen Mann nicht statthaft,...
Caspar Reimer
3. Sept. 20252 Min. Lesezeit


Vom Kampf der Geschlächter (Teil 1)
Gewiss, Geschlecht hat vorderhand nichts mit Schlacht zu tun, wie er wohl irrte, als er ein kleiner Bub war, und Geschlecht seiner...
Caspar Reimer
27. Aug. 20252 Min. Lesezeit
Lumpensammler-Texte
Der moderne Mensch hat viel zu tun und keine Zeit, Gedanken zu entwickeln. Er ist also darauf angewiesen, dass andere dies vor ihm...
Caspar Reimer
23. Juli 20251 Min. Lesezeit
Der Stempeluhr-Faschismus
Die Stempeluhr ist wichtiger als die Arbeit an sich. Ohne sie gibt’s nur Vertrauen, aber keine Gewissheit. Die Arbeit ist kein...
Caspar Reimer
18. Juli 20252 Min. Lesezeit
Dr Stucki Fred vo Jensebeize
es trurigs Gschichtli vom Bärtschi Dr Stucki Fred vo Jensebeize hett ufghört rouke. Me sött meine, das sig öppis guets, me wird gseh,...

Daniel Costantino
16. Juli 20253 Min. Lesezeit
Die Füsse im Wasser
Wie er eintritt vom Trottoir in das Studio hier, in sich gekehrt, spritzt mit dem Klingeln der Tür über ihm auch etwas von der Strasse...

Daniel Costantino
18. Juni 202512 Min. Lesezeit


Im Zwischenreich
Neulich trat er eine Stelle an, doch als er dort ankam, war keiner da, der wusste, was er zu tun hatte. Überhaupt schien ihm auf dem...
Caspar Reimer
11. Juni 20252 Min. Lesezeit
Der Spielplatz
Jahrein, jahraus schieben sie Steine hin und her über ein vorgezeichnetes Feld. Drei ineinandergeschachtelte Quadrate am Boden, die sich...

Daniel Costantino
4. Juni 20255 Min. Lesezeit


Schwarzfahrer
Anfangs hätte er erwischt werden können, passierte ihn der Schaffner doch Schulter an Schulter. Eine Stunde würde die Fahrt andauern und...
Caspar Reimer
21. Mai 20252 Min. Lesezeit
Der Wasserschaden
Spätnachts von einem Kinobesuch und einigem Wein heimgekehrt, musste er auf dem Sprung ins Bett noch einmal in die Kleider schlüpfen und...

Daniel Costantino
14. Mai 202510 Min. Lesezeit
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Fotos: www.pixabay.com
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