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Im deutschen Gartenbad
Neulich im Gartenbad zeigte sich das Leben von der versöhnlichen Seite. Eigentlich geschah nichts. Und dieses Nichts war ihm nicht bedrohlich, nein: Die Langeweile nahm ihn bei der Hand und zeigte ihm die Existenz. Ja, so war es. Er hatte keinen Stress: Die meisten Schulden waren abbezahlt und er hatte ein regelmässiges Einkommen. Was will man mehr? Er lag auf dem Rücken, spürte das warme Gras und schnupperte ein Lüftchen, studierte das Grün der Baumkrone und die Muster der V
Caspar Reimer
27. Mai3 Min. Lesezeit


Zug spielen
Als Kind spielte er manchmal Zug. Dabei gab es keine Modelleisenbahn. Das wollte er gar nicht. Der Zug fuhr in seinem Kopf. Er gab Struktur, Halt und immer etwas zu tun. Ging er mit der Familie zu Berge, legte er sich Route und Fahrplan zurecht, rechnete es so aus, dass Zugfahrt und Wanderung zur gleichen Zeit endeten. Es war die Schöpfung einer Parallelwelt, die es ihm ermöglichte, von der einen Welt, gab es da eine Durststrecke, in die andere zu wechseln. Die Zugfahrten in
Caspar Reimer
20. Mai1 Min. Lesezeit


Sonntagsspazier
Wer Georg Kreisler kennt, weiss: Es soll sich schon einer nach dem Sonntagsspaziergang erhängt haben. Einfach so, weil Sonntagsspazier war. Ich persönlich mochte Sonntage nie besonders. Das liegt übrigens nicht am Montag, der folgt. Vielmehr scheint mir, als läge am Sonntag etwas bar, was zwischen Montag und Samstag verdeckt ist. Während der Woche muss – wo kämen wir hin? – Geld generiert werden. Samstag Shoppingmeile. Und am Sonntag soll man sich… davon erholen? Für mich hat
Caspar Reimer
6. Mai2 Min. Lesezeit
Die Pandemie
Aus dem Corona-Tagebuch „Es handelt sich um einen Abgrund, für dessen Ernst es keine verlässlichen Zahlen - und schon gar keine Worte gibt...“ (Hans Ulrich Gumbrecht) Die Pandemie vereinzelt tendenziell jeden, nimmt ihm aber explizit die Qualität des Einzelseins... als Einzelner zu handeln. (14.12.21) Es ist kaum sagbar, was das Virus (verstörender Singular!) mit uns macht. Es umtanzt (verstörendes Verb!) alle Massnahmen. Gefährlicher aber al
Roland Müller
6. Mai2 Min. Lesezeit


Reden
Als kämen die Stimmen aus einer anderen Welt. Aus einer Plauderwelt. Plüsch, Flip und Plopp. Mit ihrem Mann habe sie den Garten gemacht. Wie könne man anders bei dem schönen Wetter? Ich pflichtete bei, es stimme, das Wetter ziehe einen förmlich nach draussen. Sie stutzte unmerklich, ging aber nicht auf mich ein, sondern fuhr weiter: Ihr Mann habe es in den Knien, weshalb sie statt er auf die Leiter stieg, um das Gestrüpp himmelwärts zu schneiden. Und wie heiss es schon gewese
Caspar Reimer
29. Apr.3 Min. Lesezeit
Betrachtungen 4
Haltestelle An der Tramhaltestelle Helvetiaplatz klopft von aussen ein ehemaliger Nachbar an die Scheibe, hinter der ich sitze, gestikuliert heftig, und ich weiss sofort, was er fragt: Wie geht es dir? Und ich gestikuliere zurück: gut, gut! Und zwei Haltestellen weiter sind meine Hände immer noch nicht ganz ruhig. (Juli 1998) Haltestelle Sie hat Mühe beim Gehen, diese etwas üppige ältere Dame in ihrem gemusterten Sommerkleid von Vögele, aus dessen ku
Roland Müller
22. Apr.2 Min. Lesezeit


Bewerbungsschimmel und Phrasendrescher
Ich habe mich durchgemogelt. Irgendeiner fand sich immer, der mich einstellte. Und dies, obschon meine Bewerbung wirklich abgefickt war. Es haftete ihr etwas Modriges an. Sie gaukelte eine Lebenslinie vor, wo es keine gab. Ich log gewiss nicht, aber glaubte meinen eigenen Zeilen längst nicht mehr. Man könnte einwenden, es liege im Wesen der Bewerbung, auf gekonnte Weise Phrasen zu dreschen. Die Menschen stehen auf Stromlinienförmiges. Und es gibt in einer Bewerbung tatsächlic
Caspar Reimer
15. Apr.2 Min. Lesezeit
Betrachtungen 3
Kneipe In Erwartung des nächsten Biers zeigt sich die Zufriedenheit mit dem Leben in einfachster, schönster Form. Man trinkt und redet, und die belanglose Rede wird nicht von solcher unterschieden, die aufhorchen lassen müsste, wenn sie andernorts gesagt würde. (Mai 2018) Der Stammtisch ist das Miliöh, in dem man in der falschen Gemütlichkeit nach Feierabend verkauzt. (Juni 2018) Gartenwirtschaft Nein, es stört mich gar nicht, dass es in
Roland Müller
15. Apr.5 Min. Lesezeit
Betrachtungen 2
Balkon Der Wohnselige: Er kommt kaum noch weiter als bis zum Balkon. Doch, sagt er, noch höre er den Ruf der Ferne, er sei ja nicht taub. (2013) Nichts passt besser zu „Balkon“ als „einfach nur dasitzen“. Heute Abend Gewitter mit feinem Regen. Und dazu mein unbestimmter Blick, der einfach nur bei diesem Wetter ist - wie... wie das Wort bei Gott, denke ich, leicht schläfrig geworden. (2013) Ein junges Paar geht vor dem Haus vorüber. Er greift nac
Roland Müller
8. Apr.2 Min. Lesezeit
Der Rentner
Man sei so alt, wie man sich fühle? - Man fühlt sich doch immer irgendwie, bloss nicht in einem bestimmten Alter. (November 2014) Man schaut sich die Andern unterschiedlichsten Alters an und reiht sich dann mehr oder weniger energisch irgendwo ein: Man ist noch im Angebot. (Dezember 2014) Der bevorstehende Ruhestand Ich kann mir darunter wenig vorstellen, weniger noch als damals nach Schulabschluss unter dem „Ins-Leben-hinaus“. (Mai 2015) S
Roland Müller
25. März4 Min. Lesezeit


Die Steuererklärung
Neulich erzählte mir ein Freund, er fülle seit Jahren keine Steuererklärung aus. Zwar habe er sich vorgenommen, es in diesem Jahr zu tun, deswegen eine Notiz auf den Esstisch gelegt, doch wieder sei nichts draus geworden, er liess die Frist verstreichen. Der Freund zündete sich eine Zigarette an und fügte, wie um das Thema abzuschliessen, hinzu: «Und ist die Frist verstrichen, ist die Sache erledigt.» Ich war perplex und bekümmert über den Weg, den mein Freund eingeschlagen h
Caspar Reimer
7. Jan.2 Min. Lesezeit
Vom Kampf der Geschlächter (Teil 3)
Eine Freundin vertrat in einer Runde die Ansicht, es sei für einen Mann nicht statthaft, eine schöne Frau ungefragt länger als fünf...
Caspar Reimer
10. Sept. 20252 Min. Lesezeit


Scheibenkleister
Es war üblich zu der Zeit, dass die Menschen, unterwegs von einer Verrichtung zur nächsten, ein Gerät vor dem Kopf hielten. Ihre Augen,...
Caspar Reimer
4. Juni 20251 Min. Lesezeit


Was bleibt
Respekt. Das sei das Wichtigste. Man müsse immer Respekt haben vor anderen Menschen. Sie habe immer gesagt: Eine Welt ohne Respekt sei...
Caspar Reimer
30. Apr. 20251 Min. Lesezeit


Vom arbeitenden Volk (neue Version)
Jeder soll seine Mühsal selbst verrichten, vor der eigenen Tür wischen. Was in der Wohngemeinschaft gilt, hat am Arbeitsplatz gleich...
Caspar Reimer
22. Jan. 20252 Min. Lesezeit


Von Plattitüden
Die Plattitüde lebt davon, dass sowohl die einen, die von ihr Gebrauch machen, als auch die anderen, die sie nachplappern, das Gehirn...
Caspar Reimer
8. Jan. 20252 Min. Lesezeit
liebes schweizer fernsehen
ich schreibe dir vom berg käse und butter gutsblut. behalt deine flausen immer voll heu. weisst wenns dich nicht gäbe alltag uns drückten...

Daniel Costantino
1. Jan. 20252 Min. Lesezeit


Teilzeittirade
Vom Untergang der Arbeit hatte er sich den Kopf feuerrot geschwatzt. Während er noch wisse, was Anpacken, ja was Verantwortung bedeute,...
Caspar Reimer
28. Aug. 20241 Min. Lesezeit
Smart im Zug
Die S-Bahn fuhr auf einer Hochtrasse. Von seinem Fensterplatz sah er Vorstädte ziehen. Die Häuser. Die Garagen. Die Tankstellen. Ein...
Caspar Reimer
14. Aug. 20241 Min. Lesezeit
Schwimmschule
Was Amerika regiert, sitzt nicht im Weissen Haus. Was Amerika regiert, ist eine Strömung, die einen geübten Schwimmer dorthin spült, und...

Daniel Costantino
3. Juli 20242 Min. Lesezeit
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