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Freundschaft
Freundschaft fällt einem zu. Doch hüte sich, wer Kamerad sein will (muss). (April 2018) Unter Freunden muss man besonders vorsichtig lügen. Aber sie sind es einem wert. (Juni 2017) Lob macht mich ungeduldig, ich möchte richtigstellen. Tadel langweilt mich, das könnte ich besser. (August 2009) Beim Gefühl, jemand möge, ja: liebe mich gar, sofort das Bedürfnis, Irrtümer zu orten. (Oktober 2020) Ich bin nachtragend, aber ich trage in der W
Roland Müller
9. Sept.2 Min. Lesezeit
Denken und so
I „Jede Person hat das Recht, ihre Meinung frei zu bilden.“ Und einen Gedanken? Denken heisst für gewöhnlich, sich nach einer Ordnung zu richten. Was in einem Kopf sich erzeugt, hat ihr dienlich zu sein. Aber der Vater des Gedankens, der den Plan seines Kindes schon kennt, wenn er es zeugt, wird ihm die Freiheit nicht gönnen und es nicht zur Selbständigkeit erziehen. Folgsam wird er es machen und unmusikalisch für die Tonart des Lebens. Dagegen das Lied: Die Gedanken s

Daniel Costantino
2. Sept.2 Min. Lesezeit


Lieb sein
Wie schön wäre es, könnte man einfach und immer nur lieb sein. Ja, lieb sein. Das ganze Leben lang! Und würde umgekehrt diese Liebe erwidert, Respekt und Anstand wieder etwas bedeuten: Wir lebten in einer wundervollen Welt und alles wäre gut. Eine schöne Idee, gewiss, doch leider ist ihr die von schlechter Kinderstube geprägte Zeit nicht wohlgesonnen. Da hat sich einiges geändert in den letzten Jahren. Beispiel gefällig? Früher gab es für jenen, der Erste Klasse im ICE der De
Caspar Reimer
2. Sept.2 Min. Lesezeit
Notizen 14
Er lässt sich gern vom Ausländer, den er im Grunde verachtet, im Restaurant bedienen und geniesst dessen unterwürfiges Gehabe. Den grössten Gefallen findet er in der Willfährigkeit und im Bemühen des anderen, genauso zu sein wie er selbst. Auf die unschuldige Aussage in der Tischrunde, der Kellner komme vom Balkan, gibt er ohne Not die Antwort: «Aber der hat sich angepasst und kann deutsch.» Sitzt man mit ihm, ebendiesem Menschen, in einem Restaurant auf der anderen Seite der
Caspar Reimer
12. Aug.1 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Wissen & Wahrheit Ich weiss, dass ich nichts weiss. Über wieviel Wissen (ungefähr) kommt man zu diesem Befund? (Dezember 2013) Weisheiten: Meistens versäuseln sie vor dem Verstand, der, hungrig geblieben, weiter döst. (August 2015) Dauernd hat er’s mit der Wahrheit, hat er was mit ihr vor oder im Sinn: Ihm ist nicht zu trauen. (November 2011) In einem Gespräch sollte man nicht immer den Zweifel im Nacken spüren. Es sollte, was man sagt, ein
Roland Müller
12. Aug.2 Min. Lesezeit
Religionen
Jede Religion muss von sich behaupten, die einzig wahre zu sein. Die Gläubigen einer jeden haben ihre Häuser für Gebete und Rituale. Ein „Haus der Religionen“, wie es das beispielsweise in Bern gibt, ist irgendwie befremdlich - eine naiv inszenierte Ökumene. Wie auf dem Rummelplatz sind sozusagen Buden an Buden gereiht und zeigen ihre Kulte: lauter absolute Ansprüche als „tableaux vivants“ des ewigen Friedens. (2022) Atheismus & Aberglaube Brennende Atheisten si
Roland Müller
5. Aug.1 Min. Lesezeit


Schreiben, wozu?
Es gibt Menschen, die schreiben. Einfach so. Jener, der sich dazu bekennt, erntet nicht selten Ratlosigkeit: «Du schreibst? Aha… und was machst du sonst noch?» Besser ergeht es dem Zeitungsschreiber. Seine Zeilen füttern die Demokratie. Der Journalist schreibt für den höheren Zweck und Kontostand. Er muss nicht fragen wozu, trägt er doch die Bürde der vierten Gewalt und, wenn’s hochkommt, zeitigt seine Arbeit Früchte für alle: Ist dieser Politiker noch tragbar? Nein, ist er n
Caspar Reimer
29. Juli1 Min. Lesezeit
Tod & Auferstehung
Wenn mal wieder ein Bekannter gestorben ist, hat man oft so alberne Gedanken wie „hat’s nun also den erwischt“, als wäre er in einer von wem auch immer erstellten Todesreihenfolge vor mir platziert worden. Oder als gäbe es diesen Tod wirklich, der da umhergeht und einsammelt. Natürlich kommen solche Gedanken mit nur halbem Ernst auf, und sie haben auch etwas Schelmisches an sich, das die Nachdenklichkeit verbietet und auch den geforderten vollen Ernst, der dem Tod sein böser
Roland Müller
29. Juli2 Min. Lesezeit
Aus dem Archiv 1
Rebell Eine Lebenskraft, die sich aus dem Widerstand gegen die herrschende Ordnung speist, die damit ein grösstmögliches Mass an intellektueller und emotionaler Eigenständigkeit – frei jeder aufgepfropften Identität und Lebensweise – zu erhalten oder zu erreichen versucht, angetrieben vom Trotz, der Widersprache und der Suche nach Erkenntnissen über Welt und Existenz, kommt mit dem Bedürfnis, der Verlorenheit im Leben durch Anpassung an Konventionen vorzubeugen, immer wieder
Caspar Reimer
22. Juli2 Min. Lesezeit
Wunder & Heilige
Wunder kennt man nur vom Hörensagen - Man. (2009) Der Kranke tut gut daran, nicht an ausserordentliche Heilung zu denken. Gewöhnliche (gesunde!) Hoffnung muss ausreichen. Sollte die Heilung wie ein Wunder aussehen, lassen Sie sich von ihrem Arzt beruhigen. (2018) Nichts hindert den Gläubigen daran, in Wundern nichts Kurioses zu sehen. Er kann sogar fest davon überzeugt sein, nicht zum Narren gehalten zu werden. Einem Bekennenden zeigen sich Glaubensinh
Roland Müller
15. Juli2 Min. Lesezeit


Barfuss
Man muss sich immer neu erfinden. Das scheint mir der einzige Weg, um der Vorhersehbarkeit, der Monotonie und der Trägheit zu entrinnen. Dieses Vorhaben zeitigt Wunderliches: Neulich habe ich damit angefangen, barfuss Spaziergänge zu unternehmen. Der Rest des Körpers ist in gepflegte Kleidung gehüllt. Dieser stilistische Bruch am unteren Ende sorgt für Irritation bei den Passanten, und mir geht’s gut dabei. Seither sehe ich mich selbst mit anderen Augen, kenne mich gar nicht.
Caspar Reimer
8. Juli1 Min. Lesezeit
Persönlicher Gott; Gebete und Lobpreisungen
Persönlicher Gott „Ich schuf die Welt in ursprünglicher Vollkommenheit“, singt Gott Vater vom Cembalo aus. (2001) Es bleibt eine nicht ganz geheure Vorstellung: Ein Gott, der auf mich (ja mich!) in irgendeiner Form reagiert. (2002) Dass ein Gott mir übel wolle oder gar Gutes tun - welch eine Annahme! Man denkt an Launen. (2006) Gott - diese immer wieder falsch verstandene... Prominenz? (2008) Gebete & Lobpreisungen Er ertappte
Roland Müller
8. Juli1 Min. Lesezeit
Gott. Annäherungen & Entfernungen
Gott glaubt an seine Schöpfung, ich glaube freundlich zurück. (2008) Wie kann man’s mit Gott halten, gläubig sein? - Wohl, indem man sich als Geschöpf fühlt, fühlen darf. (2019) Der Gläubige bekennt, „im Stande der Gnade zu sein“. Nun braucht es nur noch diese kleine Anstrengung, „als Ebenbild Gottes“ glaubwürdig zu sein. (2014) Der Glaube macht selig. Was es zu gewinnen gibt, ist mehr, als was auf der Hand liegt. (2018) Bist du religiö
Roland Müller
1. Juli1 Min. Lesezeit
Phantome
Muss Literatur politisch sein? Sie sei es sowieso, antwortet die Autorin Mithu Sanyal. Eine Literatur sei entweder bewusst oder „einfach nur so“ politisch. Denn Politik sei eine weder aus dem Leben noch aus Geschichten wegzudenkende Dimension. Gut. Dann ist natürlich auch die Beschreibung einer Bananenschale auf dem Trottoir politisch. Und vom Niedergang der Linken zu berichten, würde sich von einem Versuch über die Eisdiele in nichts unterscheiden. Ist jede Literatur und sow

Daniel Costantino
1. Juli2 Min. Lesezeit
Jungs
Andreas (Res) Ich möchte ihm mütterlich die zu langen Ärmel umkrempeln. Sie fallen ihm immer wieder über die Hände, während er uns gestikulierend seine klugen Gedanken vorträgt. (Dezember 1981) Andreas (Andi) Bei einem befreundeten Ehepaar treffe ich den überaus hübschen Jungen Andi, der wie ich hier zu Gast ist. Zu dritt sitzen sie auf dem Boden, barfuss, die Hände stützend hinter sich. Und der Vierte, ich, hoch zu Stuhl und immer noch in Schuhen. Ich r
Roland Müller
24. Juni3 Min. Lesezeit
Träume
„Wenn im Schlaf das Bewusstsein einschlummert, erwacht im Traum die Existenz.“ (Michel Foucault) Träume Sie vervollständigen mich, obwohl von ihnen bei Tage wenig übrig bleibt. Aber sie waren da. Wenn ich nun - einerseits - den Traum im Wachen weitgehend vergesse, so verhält es sich - andererseits - doch so, dass ich mich im Traum auf sonderbare Weise an mich erinnere, oder, überspannt gesagt, meiner gedenke. (Januar 2017) Wo ist der Traum geblieben?
Roland Müller
17. Juni2 Min. Lesezeit
Witze
Theorien über Witze haben es schwer, ernst genommen zu werden. (Oktober 2013) Beim Witzeerzählen gibts keine Vorsicht. Das Trübe kommt ganz ungefiltert daher. Aber die frechen Gesichter hellen sich auf. (Oktober 2017) Die besten Witze sind die, die das eigene Besondere betreffen. Also: Schwule lachen über Schwule, Blondinen über Blondinen (manchmal), Juden über Juden sowieso. Aber: Fromme über Fromme? (April 1996) Humorlose bringen einen immer wi
Roland Müller
10. Juni1 Min. Lesezeit
Über das Schreiben
Das Tagebuch - die Gedankenbrut im melancholischen Nest. (Januar 2012) Ein Wahn: zu glauben, man müsse schreiben (mit der Ahnung einer existenziellen Dringlichkeit). Dabei würde man den Tag auch so ganz ordentlich überstehen. (November 2014) Manche Tage sind so gut, dass jede Notiz über sie ein Makel wäre. (Januar 2000) Das jederzeit Erlösende eines guten Gedankens! (September 2016) Schreiben, immer wieder, ist so etwas wie „an den Ding
Roland Müller
27. Mai1 Min. Lesezeit
Kratzer mit Rührei
Dass ein Zusammengekratztes, in die strenge Ordnung des Besitzes gezwängt, nach und nach als ein Zusammengehörendes erscheint, nun gut. Aber wie kommts, dass Menschen wie Sklaven in diese Ordnung sich fügen und wie in etwas Unumstössliches schicken? Dass ihnen daraus ein Wohlbefinden erwächst und aus den Besetzten Besessene werden, die für fremden Besitz ihr Blut hergeben, als wäre es das Natürlichste der Welt? Wie kann sichs ihnen gehören dazuzugehören, wenn ihnen garnichts

Daniel Costantino
27. Mai2 Min. Lesezeit
Beiläufiges zu Kunst und Musik
Alberto Giacometti Habe mir eben einen Film über einen Photographen angeschaut, der im Bergell an die tausend Photos von Tal und Leuten gemacht haben soll. Da kommt natürlich auch Alberto Giacometti ins Bild, der von hier stammt und auch in seiner Pariser Zeit oft hier weilte. Er liess sich dann jeweils von den Dorfkindern Draht bringen, um den herum er mit Gips diese schmalen Figürchen bastelte, die erstaunlicherweise etwas Gelungenes an sich hatten. (Dezember 2013)
Roland Müller
20. Mai2 Min. Lesezeit
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Fotos: www.pixabay.com
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