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Über das Schreiben
Das Tagebuch - die Gedankenbrut im melancholischen Nest. (Januar 2012) Ein Wahn: zu glauben, man müsse schreiben (mit der Ahnung einer existenziellen Dringlichkeit). Dabei würde man den Tag auch so ganz ordentlich überstehen. (November 2014) Manche Tage sind so gut, dass jede Notiz über sie ein Makel wäre. (Januar 2000) Das jederzeit Erlösende eines guten Gedankens! (September 2016) Schreiben, immer wieder, ist so etwas wie „an den Ding
Roland Müller
27. Mai1 Min. Lesezeit
Kratzer mit Rührei
Dass ein Zusammengekratztes, in die strenge Ordnung des Besitzes gezwängt, nach und nach als ein Zusammengehörendes erscheint, nun gut. Aber wie kommts, dass Menschen wie Sklaven in diese Ordnung sich fügen und wie in etwas Unumstössliches schicken? Dass ihnen daraus ein Wohlbefinden erwächst und aus den Besetzten Besessene werden, die für fremden Besitz ihr Blut hergeben, als wäre es das Natürlichste der Welt? Wie kann sichs ihnen gehören dazuzugehören, wenn ihnen garnichts

Daniel Costantino
27. Mai2 Min. Lesezeit
Beiläufiges zu Kunst und Musik
Alberto Giacometti Habe mir eben einen Film über einen Photographen angeschaut, der im Bergell an die tausend Photos von Tal und Leuten gemacht haben soll. Da kommt natürlich auch Alberto Giacometti ins Bild, der von hier stammt und auch in seiner Pariser Zeit oft hier weilte. Er liess sich dann jeweils von den Dorfkindern Draht bringen, um den herum er mit Gips diese schmalen Figürchen bastelte, die erstaunlicherweise etwas Gelungenes an sich hatten. (Dezember 2013)
Roland Müller
20. Mai2 Min. Lesezeit
Schnipsel für Auge und Ohr
Manches liest man, manches hört man. Vieles Gehörte kriegt man niemals zu lesen. Kann es dann wahr sein? Diese Frage verrät, dass man den Schlingen seiner Erziehung niemals entkommt: Nur auf das, was schwarz auf weiss geschrieben steht, sei Verlass. Was für ein Trugschluss. Und erst recht, nach dieser Entdeckung den Rückschluss zu ziehen, auf das Gehörte sei desto besserer Verlass. Mit der Zeitung, gelogen oder gebogen, stopft man sich zu, bis das Gelesene Schnipsel um Schn

Daniel Costantino
20. Mai2 Min. Lesezeit
Zu Fernsehkrimis
Die in Krimis Involvierten sind (meistens) nicht von Natur aus mörderisch oder auch nur interessant in irgendeiner Weise. Es sind sozusagen Passanten, die Verdacht erregen. In der zur Verfügung stehenden Filmdauer, also in aller Eile, werden sie, sozusagen rückwärts in der Zeit, zu Tätern präpariert. (Februar 2013) Man lässt sich von Krimis unterhalten. Und je mehr Tode, desto weniger gehen sie einen an. Und d e r Tod im ausserunterhaltungsmässigen Sinne wird nicht
Roland Müller
13. Mai2 Min. Lesezeit
Notizen 12
KI Die KI generiert Texte, Bilder und Musik. In Sekundenschnelle. Ich gehöre noch zu jenen, die Artikel für die Zeitung quasi von Hand schreiben. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Wendung für Wendung, Satz für Satz. Ich gebe mir Mühe und fühle mich schlau dabei. Das hat etwas Rührendes und Lächerliches zugleich. «Einen Artikel schreiben? Ha! Wie peinlich ist das denn! Ey Alter, wach auf!» Ich spiele gern mit dem Feuer: Neulich hatte ich eigene Texte der KI zur Interpret
Caspar Reimer
13. Mai2 Min. Lesezeit
Situationen
Digital (oder auch nicht) KI Wie kann man die Suchergebnisse einer KI von menschlichen Gedanken unterscheiden? Und wer oder was entschiede allenfalls darüber, ob die Unterscheidung gelungen ist? Was wir aber schon mal sagen können: Keine Suchmaschine ist auf dieselbe Weise intelligent wie unsereins... wie wir untereinander. Mit derselben aparten Unschärfe. (Mai 2022) Man wollte schon immer (etwas) wissen. Schlug nach, fragte nach. Die Antworten kamen o
Roland Müller
29. Apr.3 Min. Lesezeit


Bewerbungsschimmel und Phrasendrescher
Ich habe mich durchgemogelt. Irgendeiner fand sich immer, der mich einstellte. Und dies, obschon meine Bewerbung wirklich abgefickt war. Es haftete ihr etwas Modriges an. Sie gaukelte eine Lebenslinie vor, wo es keine gab. Ich log gewiss nicht, aber glaubte meinen eigenen Zeilen längst nicht mehr. Man könnte einwenden, es liege im Wesen der Bewerbung, auf gekonnte Weise Phrasen zu dreschen. Die Menschen stehen auf Stromlinienförmiges. Und es gibt in einer Bewerbung tatsächlic
Caspar Reimer
15. Apr.2 Min. Lesezeit
An der Welt leiden
Wer sich an Bratwurst und Kartoffelsalat zu erfreuen weiss, steht mit beiden Füssen im Leben. Oder ist er doch schon halb tot? Ich schrieb einmal, wie mir gerade in den Sinn kommt, das Leben sei eine Aneinanderreihung von Zuständen. Bei mir zeigt sich das ausgeprägt, ist zuweilen anstrengend. Oder letzte Woche berichtete ich von den Bruchstücken, aus denen mein Leben besteht – jedes für sich mit eigenem Empfinden. Für welchen Zustand also steht die Bratwurst mit dem Kartoffel
Caspar Reimer
8. Apr.3 Min. Lesezeit


Die Existenz und der Kartoffelsalat
Manchmal droht mir die Existenz, den Verstand zu rauben. Das ist übrigens nicht unangenehm, im Gegenteil, ich liebe es sogar. Ich gehe einfach hinaus, ohne Wort, Abmachung und Ziel. Gleich neben meiner Wohnung beginnt ein Weg, der mich entlang der Bahntrasse über die Landesgrenze hinausführt. Freilich gibt’s nichts zu sehen und trotzdem scheint es, als ziehe mich etwas dorthin. Ob es das kosmische Hintergrundrauschen ist, das ich manchmal zu hören wähne? Ich schwöre darauf: D
Caspar Reimer
1. Apr.1 Min. Lesezeit
Betrachtungen 1
Ankommen Es behagt mir nicht, als Erster zum Fest zu kommen (stimmen Ort und Zeit?), aber genauso wenig, zur bereits versammelten Runde zu stossen (habe ich etwas versäumt?). Am liebsten ist es mir, wenn schon jemand da ist, der Zweite eben ankommt und ich, sozusagen in seinem Schatten, auftauche: knapp nicht Zweiter, die Aufmerksamkeit ist geteilt. (März 2013) Nicht allein Es kommt schon vor, dass ich mir wünsche, nicht alleine zu leben, und dabei so Vo
Roland Müller
1. Apr.2 Min. Lesezeit


Sich selbst schlagen
Es gibt Leute, die schlagen sich selbst. Der eine ohrfeigt im stillen Kämmerlein, vielleicht sogar unter der Bettdecke, er hat ein intaktes Schamgefühl vor seinem Tun. Den anderen trifft es wie der Blitz, in einer schlimmen Situation, bei Trunkenheit oder im Katzenjammer. Nun gibt es auch solche, die schlagen zu in aller Öffentlichkeit, am helllichten Tag, stossen dabei wüste Drohungen oder schlimme Beschimpfungen gegen sich selbst aus. Neulich erzählte mir ein Bekannter, er
Caspar Reimer
18. Feb.3 Min. Lesezeit


Demofrust
Rojava! Schon wieder Rojava! Klingt irgendwie ausländisch, nicht? Ich jedenfalls kenne in der Schweiz keinen Herrn Rojava, keine Frau Rojava und auch keinen Ort, wo Rojava heisst. Sie vielleicht schon? Da ist die Frage bei aller Toleranz, von der es übrigens, wenn Sie mich fragen, in diesem Land weiss Gott genug gibt, doch berechtigt: Können die ihre Demo, die schon wieder die ganze Stadt lahmlegt, nirgendwo kein Durchkommen mehr ist, nicht zuhause in… Itschistan, in… Äthiopi
Caspar Reimer
28. Jan.2 Min. Lesezeit
Von Welt und Schlaf
Wie wenig weiss man vom Schlaf ohne Traum. Man nimmt ihn nur an den Rändern wahr, dämmert hinein, versinkt, dämmert wieder herauf. Ein Fetzen Tuch, ein blasses Blau, wie ein Hampelmann spreizt man die Glieder. Dann wird man vom Räderwerk des Tages gepackt und seinem pedantischen Ablauf hundertmal, tausendmal, immer ganz gleich, nichts davon ist des Aufhebens wert. Mit hängender Schulter isst man abends sein Brot. Wie schadlos dagegen existiert man im traumlosen Schlaf. Keine

Daniel Costantino
28. Jan.2 Min. Lesezeit


Raucht sie tot
Das Rauchen trügt mit dem Nimbus der wilden Zeit, als sich niemand drum scherte. In den Gasthöfen, in den Spelunken, in den Zügen, im Auto wurde geraucht ohne Ende, und der Rauchende, selbst ein unsympathischer, wurde geehrt und geachtet. Das Rauchen, gesellschaftlicher Konsens, gehörte einfach dazu, für den rechten Mann sowieso, später auch für die emanzipierte Frau. Das Rauchen war also keine Sache von Freiheit, als vielmehr eine der Mode, der gesellschaftlichen Konvention.
Caspar Reimer
14. Jan.1 Min. Lesezeit
Der Wille zur Nacht. (Teil 2)
Eine Suite II Die Augen zu Spüren, dass die Augen zu. Dass Halsgegend abwärts der Geist still ein rieselndes Denken. Etwas Fallendes, Kreisendes, fast Steigendes wieder. Im Weltall vielleicht das Ende vom Lied. Erst Welle und Licht, Well‘ oder Licht, Welle und Licht, beides oder beides zusammen, nichts ist zu riechen. Nichts zu entscheiden. Sie atmen nicht, sie lachen nicht, und sie haben keine Seele. Sie atmen zwar, meine Dame, Sie lachen zwar, mein Herr, aber haben Sie eine

Daniel Costantino
7. Jan.2 Min. Lesezeit
Der Wille zur Nacht.
Eine Suite I Worte eingeben Worte eingeben, Worte ausstossen. Worte bereiten, Worte ausschaffen. Worte eingeben, Worte bewahren und drehen und schöpfen. Worte haben und weghaben. Worte geben, Worte halten und Worte bereuen. Wörter und Worte, Bewegung und Gegend. Auf und ab ein sprudelnder Bach ohne Quell. Ein sprudelnder Bach ein Gedicht. Nur Worte ausstossen, Worte bereiten, Worte eingeben und ausschaffen, bewahren und drehen und schöpfen. Aller Geist schwebt über dem B

Daniel Costantino
17. Dez. 20253 Min. Lesezeit
Schweizer Humor
Der Schweizer, hört er den Begriff Schweizer Humor, denkt an seinesgleichen dabei. Sicher versteht er Spass! Und wenn er Deutschschweizer ist, stellt er sich diesen Spass nicht auf Französisch vor, mit Esprit. Humor hat mit seinen Schenkeln zu tun. Mindestens dass er sich drauf klopft. Und wenn auch sein inklusiver Reflex gut funktioniert, hängselt er flugs eine Schweizerin an. SchweizerInnenhumor. Ach was, dranhängen, die Schweizerin reicht doch vollkommen! Ganz ungebunden s

Daniel Costantino
26. Nov. 20252 Min. Lesezeit
aus der neuen welt
„die fabrik″ 2.Teil, 2009 man kann etwas tun oder nichts. dafür oder dagegen oder nichts. gehört zusammen dreieinig. der egoismus des aufbegehrens, des widerstands, so man leben will und nicht verharren, erstarren, veraasen. oder funktionieren, verwalten und aushalten. die angst wird man nirgends los. ich fasse einen gedanken, manchmal entweicht er, bevor er recht zu packen. und ich erdenke ganz anderes, bei nächster gelegenheit, worauf ich nicht gekommen wär, hätte ich jenen

Daniel Costantino
19. Nov. 20252 Min. Lesezeit


Das Brillenrezept
Zahlt die Krankenkasse die neue Brille? Oder zahlt sie nicht? Was nach Alltag klingt, ist für den Unglücklichen, dem das Fünfrappenstück letztes Hemd ist, die Frage über Verdruss oder Fröhlichkeit, schwarz oder weiss, Hölle oder Himmel. Er hatte das Brillenrezept eingereicht, einige Wochen ist’s her. Freilich könnte er nach seinen Rechten sehen, sich schlau machen darüber, wann, warum, wie und zu welchen Bedingungen die Krankenkasse zahlt. Doch der Arme handelt nicht mehr. Vi
Caspar Reimer
12. Nov. 20251 Min. Lesezeit
Abo
Fotos: www.pixabay.com
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