top of page
Suche
Aus dem Archiv 1
Rebell Eine Lebenskraft, die sich aus dem Widerstand gegen die herrschende Ordnung speist, die damit ein grösstmögliches Mass an intellektueller und emotionaler Eigenständigkeit – frei jeder aufgepfropften Identität und Lebensweise – zu erhalten oder zu erreichen versucht, angetrieben vom Trotz, der Widersprache und der Suche nach Erkenntnissen über Welt und Existenz, kommt mit dem Bedürfnis, der Verlorenheit im Leben durch Anpassung an Konventionen vorzubeugen, immer wieder
Caspar Reimer
vor 1 Tag2 Min. Lesezeit
Wunder & Heilige
Wunder kennt man nur vom Hörensagen - Man. (2009) Der Kranke tut gut daran, nicht an ausserordentliche Heilung zu denken. Gewöhnliche (gesunde!) Hoffnung muss ausreichen. Sollte die Heilung wie ein Wunder aussehen, lassen Sie sich von ihrem Arzt beruhigen. (2018) Nichts hindert den Gläubigen daran, in Wundern nichts Kurioses zu sehen. Er kann sogar fest davon überzeugt sein, nicht zum Narren gehalten zu werden. Einem Bekennenden zeigen sich Glaubensinh
Roland Müller
15. Juli2 Min. Lesezeit


Barfuss
Man muss sich immer neu erfinden. Das scheint mir der einzige Weg, um der Vorhersehbarkeit, der Monotonie und der Trägheit zu entrinnen. Dieses Vorhaben zeitigt Wunderliches: Neulich habe ich damit angefangen, barfuss Spaziergänge zu unternehmen. Der Rest des Körpers ist in gepflegte Kleidung gehüllt. Dieser stilistische Bruch am unteren Ende sorgt für Irritation bei den Passanten, und mir geht’s gut dabei. Seither sehe ich mich selbst mit anderen Augen, kenne mich gar nicht.
Caspar Reimer
8. Juli1 Min. Lesezeit
Persönlicher Gott; Gebete und Lobpreisungen
Persönlicher Gott „Ich schuf die Welt in ursprünglicher Vollkommenheit“, singt Gott Vater vom Cembalo aus. (2001) Es bleibt eine nicht ganz geheure Vorstellung: Ein Gott, der auf mich (ja mich!) in irgendeiner Form reagiert. (2002) Dass ein Gott mir übel wolle oder gar Gutes tun - welch eine Annahme! Man denkt an Launen. (2006) Gott - diese immer wieder falsch verstandene... Prominenz? (2008) Gebete & Lobpreisungen Er ertappte
Roland Müller
8. Juli1 Min. Lesezeit
Gott. Annäherungen & Entfernungen
Gott glaubt an seine Schöpfung, ich glaube freundlich zurück. (2008) Wie kann man’s mit Gott halten, gläubig sein? - Wohl, indem man sich als Geschöpf fühlt, fühlen darf. (2019) Der Gläubige bekennt, „im Stande der Gnade zu sein“. Nun braucht es nur noch diese kleine Anstrengung, „als Ebenbild Gottes“ glaubwürdig zu sein. (2014) Der Glaube macht selig. Was es zu gewinnen gibt, ist mehr, als was auf der Hand liegt. (2018) Bist du religiö
Roland Müller
1. Juli1 Min. Lesezeit
Phantome
Muss Literatur politisch sein? Sie sei es sowieso, antwortet die Autorin Mithu Sanyal. Eine Literatur sei entweder bewusst oder „einfach nur so“ politisch. Denn Politik sei eine weder aus dem Leben noch aus Geschichten wegzudenkende Dimension. Gut. Dann ist natürlich auch die Beschreibung einer Bananenschale auf dem Trottoir politisch. Und vom Niedergang der Linken zu berichten, würde sich von einem Versuch über die Eisdiele in nichts unterscheiden. Ist jede Literatur und sow

Daniel Costantino
1. Juli2 Min. Lesezeit
Jungs
Andreas (Res) Ich möchte ihm mütterlich die zu langen Ärmel umkrempeln. Sie fallen ihm immer wieder über die Hände, während er uns gestikulierend seine klugen Gedanken vorträgt. (Dezember 1981) Andreas (Andi) Bei einem befreundeten Ehepaar treffe ich den überaus hübschen Jungen Andi, der wie ich hier zu Gast ist. Zu dritt sitzen sie auf dem Boden, barfuss, die Hände stützend hinter sich. Und der Vierte, ich, hoch zu Stuhl und immer noch in Schuhen. Ich r
Roland Müller
24. Juni3 Min. Lesezeit
Träume
„Wenn im Schlaf das Bewusstsein einschlummert, erwacht im Traum die Existenz.“ (Michel Foucault) Träume Sie vervollständigen mich, obwohl von ihnen bei Tage wenig übrig bleibt. Aber sie waren da. Wenn ich nun - einerseits - den Traum im Wachen weitgehend vergesse, so verhält es sich - andererseits - doch so, dass ich mich im Traum auf sonderbare Weise an mich erinnere, oder, überspannt gesagt, meiner gedenke. (Januar 2017) Wo ist der Traum geblieben?
Roland Müller
17. Juni2 Min. Lesezeit
Witze
Theorien über Witze haben es schwer, ernst genommen zu werden. (Oktober 2013) Beim Witzeerzählen gibts keine Vorsicht. Das Trübe kommt ganz ungefiltert daher. Aber die frechen Gesichter hellen sich auf. (Oktober 2017) Die besten Witze sind die, die das eigene Besondere betreffen. Also: Schwule lachen über Schwule, Blondinen über Blondinen (manchmal), Juden über Juden sowieso. Aber: Fromme über Fromme? (April 1996) Humorlose bringen einen immer wi
Roland Müller
10. Juni1 Min. Lesezeit
Über das Schreiben
Das Tagebuch - die Gedankenbrut im melancholischen Nest. (Januar 2012) Ein Wahn: zu glauben, man müsse schreiben (mit der Ahnung einer existenziellen Dringlichkeit). Dabei würde man den Tag auch so ganz ordentlich überstehen. (November 2014) Manche Tage sind so gut, dass jede Notiz über sie ein Makel wäre. (Januar 2000) Das jederzeit Erlösende eines guten Gedankens! (September 2016) Schreiben, immer wieder, ist so etwas wie „an den Ding
Roland Müller
27. Mai1 Min. Lesezeit
Kratzer mit Rührei
Dass ein Zusammengekratztes, in die strenge Ordnung des Besitzes gezwängt, nach und nach als ein Zusammengehörendes erscheint, nun gut. Aber wie kommts, dass Menschen wie Sklaven in diese Ordnung sich fügen und wie in etwas Unumstössliches schicken? Dass ihnen daraus ein Wohlbefinden erwächst und aus den Besetzten Besessene werden, die für fremden Besitz ihr Blut hergeben, als wäre es das Natürlichste der Welt? Wie kann sichs ihnen gehören dazuzugehören, wenn ihnen garnichts

Daniel Costantino
27. Mai2 Min. Lesezeit
Beiläufiges zu Kunst und Musik
Alberto Giacometti Habe mir eben einen Film über einen Photographen angeschaut, der im Bergell an die tausend Photos von Tal und Leuten gemacht haben soll. Da kommt natürlich auch Alberto Giacometti ins Bild, der von hier stammt und auch in seiner Pariser Zeit oft hier weilte. Er liess sich dann jeweils von den Dorfkindern Draht bringen, um den herum er mit Gips diese schmalen Figürchen bastelte, die erstaunlicherweise etwas Gelungenes an sich hatten. (Dezember 2013)
Roland Müller
20. Mai2 Min. Lesezeit
Schnipsel für Auge und Ohr
Manches liest man, manches hört man. Vieles Gehörte kriegt man niemals zu lesen. Kann es dann wahr sein? Diese Frage verrät, dass man den Schlingen seiner Erziehung niemals entkommt: Nur auf das, was schwarz auf weiss geschrieben steht, sei Verlass. Was für ein Trugschluss. Und erst recht, nach dieser Entdeckung den Rückschluss zu ziehen, auf das Gehörte sei desto besserer Verlass. Mit der Zeitung, gelogen oder gebogen, stopft man sich zu, bis das Gelesene Schnipsel um Schn

Daniel Costantino
20. Mai2 Min. Lesezeit
Zu Fernsehkrimis
Die in Krimis Involvierten sind (meistens) nicht von Natur aus mörderisch oder auch nur interessant in irgendeiner Weise. Es sind sozusagen Passanten, die Verdacht erregen. In der zur Verfügung stehenden Filmdauer, also in aller Eile, werden sie, sozusagen rückwärts in der Zeit, zu Tätern präpariert. (Februar 2013) Man lässt sich von Krimis unterhalten. Und je mehr Tode, desto weniger gehen sie einen an. Und d e r Tod im ausserunterhaltungsmässigen Sinne wird nicht
Roland Müller
13. Mai2 Min. Lesezeit
Notizen 12
KI Die KI generiert Texte, Bilder und Musik. In Sekundenschnelle. Ich gehöre noch zu jenen, die Artikel für die Zeitung quasi von Hand schreiben. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Wendung für Wendung, Satz für Satz. Ich gebe mir Mühe und fühle mich schlau dabei. Das hat etwas Rührendes und Lächerliches zugleich. «Einen Artikel schreiben? Ha! Wie peinlich ist das denn! Ey Alter, wach auf!» Ich spiele gern mit dem Feuer: Neulich hatte ich eigene Texte der KI zur Interpret
Caspar Reimer
13. Mai2 Min. Lesezeit
Situationen
Digital (oder auch nicht) KI Wie kann man die Suchergebnisse einer KI von menschlichen Gedanken unterscheiden? Und wer oder was entschiede allenfalls darüber, ob die Unterscheidung gelungen ist? Was wir aber schon mal sagen können: Keine Suchmaschine ist auf dieselbe Weise intelligent wie unsereins... wie wir untereinander. Mit derselben aparten Unschärfe. (Mai 2022) Man wollte schon immer (etwas) wissen. Schlug nach, fragte nach. Die Antworten kamen o
Roland Müller
29. Apr.3 Min. Lesezeit


Bewerbungsschimmel und Phrasendrescher
Ich habe mich durchgemogelt. Irgendeiner fand sich immer, der mich einstellte. Und dies, obschon meine Bewerbung wirklich abgefickt war. Es haftete ihr etwas Modriges an. Sie gaukelte eine Lebenslinie vor, wo es keine gab. Ich log gewiss nicht, aber glaubte meinen eigenen Zeilen längst nicht mehr. Man könnte einwenden, es liege im Wesen der Bewerbung, auf gekonnte Weise Phrasen zu dreschen. Die Menschen stehen auf Stromlinienförmiges. Und es gibt in einer Bewerbung tatsächlic
Caspar Reimer
15. Apr.2 Min. Lesezeit
An der Welt leiden
Wer sich an Bratwurst und Kartoffelsalat zu erfreuen weiss, steht mit beiden Füssen im Leben. Oder ist er doch schon halb tot? Ich schrieb einmal, wie mir gerade in den Sinn kommt, das Leben sei eine Aneinanderreihung von Zuständen. Bei mir zeigt sich das ausgeprägt, ist zuweilen anstrengend. Oder letzte Woche berichtete ich von den Bruchstücken, aus denen mein Leben besteht – jedes für sich mit eigenem Empfinden. Für welchen Zustand also steht die Bratwurst mit dem Kartoffel
Caspar Reimer
8. Apr.3 Min. Lesezeit


Die Existenz und der Kartoffelsalat
Manchmal droht mir die Existenz, den Verstand zu rauben. Das ist übrigens nicht unangenehm, im Gegenteil, ich liebe es sogar. Ich gehe einfach hinaus, ohne Wort, Abmachung und Ziel. Gleich neben meiner Wohnung beginnt ein Weg, der mich entlang der Bahntrasse über die Landesgrenze hinausführt. Freilich gibt’s nichts zu sehen und trotzdem scheint es, als ziehe mich etwas dorthin. Ob es das kosmische Hintergrundrauschen ist, das ich manchmal zu hören wähne? Ich schwöre darauf: D
Caspar Reimer
1. Apr.1 Min. Lesezeit
Betrachtungen 1
Ankommen Es behagt mir nicht, als Erster zum Fest zu kommen (stimmen Ort und Zeit?), aber genauso wenig, zur bereits versammelten Runde zu stossen (habe ich etwas versäumt?). Am liebsten ist es mir, wenn schon jemand da ist, der Zweite eben ankommt und ich, sozusagen in seinem Schatten, auftauche: knapp nicht Zweiter, die Aufmerksamkeit ist geteilt. (März 2013) Nicht allein Es kommt schon vor, dass ich mir wünsche, nicht alleine zu leben, und dabei so Vo
Roland Müller
1. Apr.2 Min. Lesezeit
Abo
Fotos: www.pixabay.com
KONTAKT
Danke für Ihr Interesse an Reimers Blog. Wenn Sie noch mehr erfahren möchten, können Sie sich gerne bei mir melden.

bottom of page