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Betrachtungen 1

Ankommen

 

    Es behagt mir nicht, als Erster zum Fest zu kommen (stimmen Ort und Zeit?), aber genauso wenig, zur bereits versammelten Runde zu stossen (habe ich etwas versäumt?). Am liebsten ist es mir, wenn schon jemand da ist, der Zweite eben ankommt und ich, sozusagen in seinem Schatten, auftauche: knapp nicht Zweiter, die Aufmerksamkeit ist geteilt.

    (März 2013)

 

    Nicht allein

 

    Es kommt schon vor, dass ich mir wünsche, nicht alleine zu leben, und dabei so Vorstellungen habe von - beispielsweise - gemeinsamen Frühstücken: zu zweit mit dem Besteck hantieren, sich gegenseitig Brot und Marmelade zuschieben... Möchtest du noch ein Ei? - Ja, bitte. Oder spätabends in der Küche gemeinsam eine Tasse Schokolade trinken, lässig an die Spüle gelehnt und auf das Loch in der Socke des Andern blickend...

    Und statt einen plötzlichen Einfall in ein Heft zu schreiben, ihn einfach aussprechen.

    (Mai 2015)

 

    Hinüber

 

    Ich stelle mir vor, jemand würde an meinem Totenbett, gefasst und irgendwie glaubwürdig, sagen: Er möge in Frieden ruhen! Jener müsste weder streng gläubig noch mir besonders gewogen sein... gewogen gewesen sein - gerade so jemand müsste diese oder ähnliche Worte sagen.

    Und ich dächte vielleicht bei mir: Gut gesagt, Alter!

    - wenn ich nicht schon hinüber wäre, es also besser wüsste.

    (Mai 2016)

 

    Nichts zu vermelden

 

    Rauchend und Bier trinkend sitze ich in einem Gärtchen. Es kommt mir dabei so allerhand in den Sinn, was ich aber im Moment nicht aufzuschreiben brauche. Um so bedürfnislos zu sein, muss man sich viel Bescheidenheit anmassen.

    Es ist einfach Sommer. Die Bäume geben („spenden“ wäre zu dichterisch) Schatten. Und eben hebe ich die Hand und zeige auf mein leeres Glas. Die Kellnerin nickt.

    So einfach ist das.

    (Juli 2016)

 

    Gut tun

 

    Man müsse, lese ich, nicht bloss Gutes tun, sondern gut tun. Gutes tun, das kann jeder bei passender Gelegenheit, wohingegen gut tun mehr von Nähe und Dauer hat. „Du tust mir gut“ hört sich sogar inniger an als „Ich liebe dich“.

    Du tust mir gut.

    Man kann das natürlich auch zu einem Hund oder einer Schildkröte sagen.

    (August 2016)

 

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