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Zu Fernsehkrimis

    Die in Krimis Involvierten sind (meistens) nicht von Natur aus mörderisch oder auch nur interessant in irgendeiner Weise. Es sind sozusagen Passanten, die Verdacht erregen. In der zur Verfügung stehenden Filmdauer, also in aller Eile, werden sie, sozusagen rückwärts in der Zeit, zu Tätern präpariert.

    (Februar 2013)

 

    Man lässt sich von Krimis unterhalten. Und je mehr Tode, desto weniger gehen sie einen an. Und d e r Tod im ausserunterhaltungsmässigen Sinne wird nicht bedacht. Es passiert einfach einiges, es fallen Leichen an.

    (Mai 2013)

 

    „Aber wer tut denn sowas?“

    Diese Frage stellt im Krimi oft, wie sich herausstellen sollte, der Täter selbst. Aber wenn man ihm so zuhört, fragt man sich, was er denn, ausserdem, dass er seine Täterschaft verbergen will, auch noch meinen könnte mit der Frage.

    (Mai 2011)

 

    „Und dann lag da dieser Stein...“

    Das erlösende Geständnis - unerwarteterweise sagt das das Mädchen, die „beste Freundin“ des Mordopfers. Und der ursprünglich verdächtigte schmächtige Junge wird nach Hause geschickt, zu diesem Arschloch von Vater, einem Landtagsabgeordneten oder so.

    Man ist einfach nie so recht zufrieden mit einem Krimi.

    (Juli 2013)

 

    Typische Krimiszene: Eine Frau betritt ihre Wohnung. Sie spürt: Gefahr lauert. Sie sieht: Die Wohnung ist in Unordnung gebracht worden. Jemand hat wohl etwas gesucht, ist möglicherweise noch anwesend. Man möchte nicht in ihrer Haut stecken.

    Doch der Betrachter vor dem Bildschirm dreht in seinem Kopf launisch den Film ein paar Sekunden zurück und sieht die Frau nochmals beim Betreten der Wohnung, wie sie, während sie sich schon zu wundern beginnt, elegant ihre Schuhe abstreift...

    (Februar 2013)

 

    Übertöten

    Ein bei der Kripo gängiger Ausdruck für mehr am Opfer machen als bloss töten, beispielsweise post mortem noch einen tiefen Kehlkopfschnitt zufügen, weil da die Stimme war, die einen jahrelang gequält hatte. Sie nie, nie mehr hören und diesbezüglich mehr als nur gewiss sein.

    (April 2012)

 

    Gewalt

    Das Gewaltmonopol hat der Staat. Okay, ich bin damit voll einverstanden oder wäre es, käme es mir jetzt nicht so vor, als wäre die gefühlte Genugtuung, als im eben geschauten Krimi der Scharfschütze den Geiselnehmer mit einem gezielten Schuss ausser Gefecht gesetzt hatte, nicht so ganz rein. Weil das Loch in der Stirn des ausgestreckt Daliegenden doch für Augenblicke zu irritieren vermochte, vielleicht gerade, weil diese Geschichte diese Exekution in genau diesem Augenblick unbedingt erforderte.

    (September 2018)

 

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