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Denken und so

2. Sept.
2 Min. Lesezeit

I

 

„Jede Person hat das Recht, ihre Meinung frei zu bilden.“

 Und einen Gedanken?

 

Denken heisst für gewöhnlich, sich nach einer Ordnung zu richten. Was in einem Kopf sich erzeugt, hat ihr dienlich zu sein. Aber der Vater des Gedankens, der den Plan seines Kindes schon kennt, wenn er es zeugt, wird ihm die Freiheit nicht gönnen und es nicht zur Selbständigkeit erziehen. Folgsam wird er es machen und unmusikalisch für die Tonart des Lebens.

 

Dagegen das Lied: Die Gedanken sind frei. Es besingt immer die Mehrzahl, denn ein freier Gedanke kommt nicht allein, er ist Teil eines Wurfs aus gar vielen.

 

Wie wird es denken, das Kind, gezähmt bis es spurt, Mores gelehrt die Schulbank hindurch, damit es draussen im Leben, wie man so sagt, seine Pflichten und Ziele begreift statt seines Glücks? Und was wird es denken, vom Mainstream gepackt mit aller Reklame?

Seine Freiheit wird heissen: pack deine Chance! Und wenn sie denn kommt, langt es in Kletten und Ranken. Es tapst in die Falle wie ein Tolpatsch ins Dornengestrüpp.

 

Das ist unsere Freiheit, und eine schaufelvoll Herd. Etwas stäubender Kies. Irgendein Anfang irgendwo wieder, aus Atomen vielleicht, ein Gas aus vertrockneten Därmen. Eine Schliere vom Schmerbauch der kosmischen Paste; gefrorener Span irgendwo, eine Krähe fällt wie ein Klumpen vom Mast.

 

Aber die Seele! Ja, die. Soll wandern, das wird sie läutern am Ziel, in der Herrschaft der Totalität.

 

Ein Geist, der nicht grad ein heiliger ist, bleibt der Zeit verhaftet, ihrem Kauf und Verlauf. Dem Narrativ ihrer Fritzen und Apologeten. Geist kauft sich, verkauft sich, steigt aus der Flasche, schwebt über den Wassern, wird sein und nicht mehr sein: Nebelstreif, Sternenschweif.

 

 

II

 

Der Gedanke im Wurf, ein Klümpchen im wimmelnden Laich. Extrahiere ihn mit der Pincette, und schon ist er vernichtet. Nur im ganzen Organismus kann er leben. Und schliesslich wächst er sich aus mit den andern, lebt wie im Wasser, das reisst, im Wasser, das steht, gischtet und Wellen schlägt oder gefriert; schwimmt im Strom des Bewusstseins, im Zustrom von Neben- und Unterbewusstem, von Bächlein hell, Bächlein trüb, was ist ein Tröpfchen daraus? Was geschieht ihm in einer verschütteten Pfütze auf trockenem Land?

 

Fliesskraft und Schwerkraft des Denkens, sein Schwärmen und Brüten, seine Erstarrung und Wiedererzeugung im Mückenschwarm hinter den Augen, im Sternenfunkeln am Himmelszelt.

 

Im Sog nimmt das Denken reissaus gleich einer Kaskade, gischtet, verdampft; oder glättet sich, fliesst, vereint sich mit anderem Fliessen, landet als Strom schliesslich im Meer und ist längst nichts Eigenes mehr.

 

Vom Geschiebe, von Dämmen, von Stau und Geröll wäre zu reden, von allem, was den Gedankenfluss stopft.

Von der Logik? Ach da gibts jeden tag tausenderlei. Wie logisch ist die Musik? Was nur auf Knopfdruck den richtigen Pegel erzeugt, macht noch keine Musik.

 

III

 

Das massgebende Modell heisst Dressur. Es steht aller Freiheit des Geistes, des Denkens, des Seelenlebens entgegen. Es manifestiert sich in Religion und Kultur, in Vorsehung, Bestimmung, in göttlichen, weltlichen, westlichen Werten; im dreisten Geschnorr von Liberalismus und Demokratie, Freiheit durch Bomben und Drohnen, von abstruser Gerechtigkeit durch Flamme und Schwert.

Freier Geist, offenes Denken? Immerhin Wohlstand aber?

Ja, Wohlstand, was auf Ausbeutung beruht! durch Raub und Krieg zustandekommt, wie Brosamen abfällt vom Tisch der Gebieter!

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Notizen 14

Er lässt sich gern vom Ausländer, den er im Grunde verachtet, im Restaurant bedienen und geniesst dessen unterwürfiges Gehabe. Den grössten Gefallen findet er in der Willfährigkeit und im Bemühen des

 
 
 

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