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Deus vult

Auf einem einzigen Drillingsgott lastet viel, lasten, je mehr man ihn feiert, Schicksalsschlag und Kirchentag, Richteramt und Golgatha, bis zur recht weltlichen Aufgabe, seinen Jüngern unter dem Zeichen des Kreuzes einen Elfmeter in ein gerechtes Tor zu verwandeln. Er ist zum Siegen da, zum Strafen da, zum Trösten da. Und wenn es ums Totschlagen der Feinde geht, dann speien seine hohen Verkünder diesseits und jenseits der Front dem Soldaten dreimal kräftig über die Schulter. In manitou et spiritu: spannende Zeiten wie diese geben alle Backen voll zu tun.

 

Dem Pete Hegseth zum Beispiel, Kriegsminister aus own Gottes country. Mann Gottes nach eigenen Worten, verwandelt durch Jesus. Jesus, der Ehebrecher sonst in die Hölle schmeisst, den Schützling Hegseth aber rettet. Schwamm drüber auch, dass sein Apologet den Klimawandel leugnet. Die Linken, zur Hölle! wollen nur Gott spielen damit, prustet die Backe. An politische Regeln braucht sich so ein Fürchtedichnicht, der den staatlichen Schulen kulturellen Marxismus vorwirft, gewiss nicht zu halten, da steht ihm sein Allmächtiger doppelt und dreifach darüber. Genau: deus vult, Gott will es, den bewährten Menschenschlächter- und keineswegs nur Kreuzzüglerspruch, hat er auf seinem kräftigen Bizeps eintätowiert; ein grosses Jerusalemskreuz ziert des Ministers alberne Heldenbrust, die amerikanische Flagge samt Maschinengewehr wiederum den Unterarm, allerlei mehr, Kreuz mit Schwert, Kreis mit Sternen, Yahweh, Yeshua, Musketen, Kafir (Kaffer) gegen die Schurken Allahs, findet, so reaktionär wie pubertär, auf dem gestählten Oberkörper Platz. Waswunder wirbt Hegseth, die stärkste und aggressivste Armee der Welt unter sich, für die Anwendung der biblischen Gesetze in der Gesellschaft, für maskulinistische Werte, rein männliche Führungsstrukturen und die aktive Vorbereitung der Welt auf die triumphale Wiederkunft des Erlösers. Weltenbrand ahoi! Theokratisch steht er den eingefleischtesten Mullahs in garnichts nach. Nur hat er ein paar Atombomben mehr als sie, die Habenichtse bleiben sollen, und massenhaft mehr dergleichen anderes Vernichtungsmaterial.

Was Hegseth vult, deus vult. Das gilt auch für seine Untergebenen im Pentagon, ihnen hält er fundamentalistische Gottesdienste darüber ab.

 

Auch sein irdischer Chef will viel und immer noch mehr. Nein zu ihm, einer weiteren Leuchte der Christenheit, heisst nein zu Gott, so Paula White, die Leiterin des Büros für Glaubensfragen im Weissen Haus und spirituelle Beraterin des Präsidenten. Rabbi Cahn, messianischer Schriftsteller und Rabbiner, nennt Trump die „Posaune Gottes“, den Auserwählten heisst ihn Rick Perry, sein ehemaliger Energieminister und früherer Gouverneur von Texas. „Nichts schlägt die Bibel“ meint Trump, der sich wie sein Minister von Gott errettet sieht, himself. Deus vult und vult, wohin man schaut, bis zu Kollege Musk („Ich stimme mit den Lehren von Jesus überein“) und zum Lutheraner Peter Thiel, Überwachung Palantir, der die Wokeness-Bewegung als sektiererisches Hyperchristentum bekämpft und wie jener als ein Geistesvirus verschreit, das eine globale Tyrannei anstrebe. Sich selbst sieht Thiel hingegen der Aufgabe verpflichtet, eine Welt zu bauen, „welche die göttliche Ordnung widerspiegelt“, das bringt er in Vorträgen vor Intellektuellen und Technologie-Experten unter die Leute. Man finde den Haken dabei.

„Die Religion knüpft an den Himmel eine Idee der Gleichheit, die verhindert, dass der Reiche vom Armen abgeschlachtet wird.“ Nicht Thiel - Napoleon, der sich trotzdem und gerade deshalb in Notre-Dame mit Segnung und Salbung des Papstes zum Kaiser krönen lässt.

 

Das alles verträgt sich ein gut Stück Wegs mit den Auftritten zum Beispiel des israelischen Regierungschefs: Seine Versprechen wie „Krieg der Erlösung“ (Gaza), „Die Ära des Messias wird kommen“ und andere bündeln die vereinten westlichen Kräfte. Von den göttlichen Landverheissungen, dem Mythos Tempelberg und anderen theokratischen Visionen auch zahlreicher seiner Minister und wichtiger Parteiführer zu schweigen.

Ein Stück Wegs, sage ich. Ob der Frage, wer anlässlich der göttlichen Endlösung tatsächlich errettet wird und wer nicht, scheiden sich nämlich die fanatischen Geister. Gleich und Gleich gesellt sich gern.. bis die gemeinsame Beute erlegt ist. Dann wird doch jeder wieder für seinen eigenen Geldbeutel beten.

 

 

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