Die Existenz und der Kartoffelsalat
- Caspar Reimer
- vor 3 Tagen
- 1 Min. Lesezeit
Manchmal droht mir die Existenz, den Verstand zu rauben. Das ist übrigens nicht unangenehm, im Gegenteil, ich liebe es sogar. Ich gehe einfach hinaus, ohne Wort, Abmachung und Ziel. Gleich neben meiner Wohnung beginnt ein Weg, der mich entlang der Bahntrasse über die Landesgrenze hinausführt. Freilich gibt’s nichts zu sehen und trotzdem scheint es, als ziehe mich etwas dorthin. Ob es das kosmische Hintergrundrauschen ist, das ich manchmal zu hören wähne? Ich schwöre darauf: Der Kitzel des Seins liegt im Nichts. Und in der Fähigkeit, dieses Nichts auszuhalten. Da soll mit keiner mit einem Psychopharmakon zur Beruhigung der Synapsen kommen! Das ist nicht nur meine Überzeugung, sondern eine Droge, die ich, falls möglich, täglich eine gewisse Zeit brauche.
Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ist da der Mensch, das soziale Wesen. Ich bin wohl einigermassen integriert, bespiele ein Leben, obschon ich daran arbeite, diesbezüglich nicht zu übertreiben. Wer mit beiden Füssen im Leben steht, verpasst es oftmals. Ich bin froh: Es gibt für mein Leben keine zusammenhängende Geschichte. Da sind Bruchstücke, jedes für sich mit eigenem Empfinden. Ich habe aber Freunde, die erwarten, dass ich von meinen Spaziergängen zurückkomme. Auch meinen Verpflichtungen komme ich nach: Neulich habe ich – das erste Mal seit langem – meine Steuererklärung ausgefüllt und eingereicht. Danach gabs Bratwurst und Kartoffelsalat.



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