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Richtlinien

Sind die Bernerinnen und Berner wirklich langsam? fragt der Sprachleitfaden der Stadt Bern und will am Beispiel dieser Frage, es geht um die „geschlechterinklusive″ Schreibweise der städtischen Angestellten, sichtbar machen, dass


- eine Gruppe aus Männern und Frauen besteht

- Frauen und Männern die gleichen Möglichkeiten offen stehen

- beide Geschlechter die gleichen Rechte und Pflichten haben


Cum grano salis stimmt die Analyse der Stadt Bern: unter ihren Lauben teilt sich die Menschheit tatsächlich in zwei Geschlechter. Kein Zufall des Lebens hielte sich in Bern dafür, ihrer Ebenbürtigkeit einen Strich durch die Rechnung zu machen. Nur wenn das Vaterland riefe, würden die Einen müssen und die Anderen dürfen. Aber das wäre dann keine Angelegenheit der braven Stadtverwaltung mehr.


Ob nun aber der Bernerschlag ein langsamer sei, verrät der humorvolle Leitfaden nicht. Dabei liegt die Frage den Bernerinnen und Bernern auf dem Magen, seit es sie als solche gibt. Alleine schon Berndeutsch sprechen zu müssen, fühlt sich lebenslang etwas dümmlich an. Frischen Mut dürften sie jetzt aus der Hirnforschung schöpfen: wer langsam denkt, wurde da kürzlich herausgefunden, habe Zeit, die Welt zu betrachten und darüber ab und zu eine Qualitätspause einzulegen.

Gäng sövu.


Strammes Glied, allzeit bereit: Ein Soldat wird zum Gehorsam dressiert. Es wäre sonst kein Krieg zu machen. Der Männlichkeitskult um ihn herum kaschiert nur seine Schande.


Aber eigentlich wird er schon in seinen Schul- und Jugendjahren vollständig abgerichtet. Nach dem jahrelangen Pflichtprogramm erfolgt im Krieg nur noch die Kür.


Die andere Backe hinhalten, müsste die Kirche schreien. Aber sie betet.


Der freie Bürger überlebt in einer Nische, wo er genug zu fressen und wenig Ärger hat. Dafür legt er seine Stimme ein. Er könnte auch leer einlegen, es würde sich nichts ändern. Erst wenn alle Bürger das Stimmrecht boykottierten, müsste ein neues Lügengebäude errichtet werden. Das wäre ihm peinlich.


Die öffentliche Meinung: Ein Vorgeiger geigt sie vor. Das Orchester fällt ein. Der ganze Saal tanzt.


Und sollte ihretwegen die Welt aus den Fugen geraten, die dreiste Lüge wird nicht rot, wird in fetten Lettern schwarz. Und weil kalte Lügen stinken, hält die Schmiere sie dick und warm. Und in der Schmiere staken die Lügner und bleiben mit kurzen Beinen stecken; das ist nicht angenehm, aber in der schlingernden Welt der sicherste Tritt.


Lektürehilfe fürs Feuilleton: Man kann jedes schlechte literarische Werk so analysieren, dass am Ende etwas Gescheites dabei herauskommt. Wie man ja auch über eine reisserische Schlagzeile klug nachdenken kann. Man darf das Verdienst nur nicht dem Autor gutschreiben.



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