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Vom Kampf der Geschlächter (Teil 3)

Eine Freundin vertrat in einer Runde die Ansicht, es sei für einen Mann nicht statthaft, eine schöne Frau ungefragt länger als fünf Sekunden anzusehen. So etwas gehöre sich nicht und käme zwar nicht ganz, aber fast, einem Übergriff gleich. Seiner gutmütigen Art nach brachte er vor, eine Frage wie ein rosaroter Luftballon, ob dies nicht umgekehrt auch für eine Frau, die einen hübschen Kerl ansieht, gelten müsse. Das sei etwas anderes, lehre man ihn. Frauen schauten eben nicht so, wie Männer das täten. Seine Gutmütigkeit wich einer Sperrigkeit. Er arbeitete in jener Zeit in einer Klinik als Masseur. Legte eine Kundin ihre Kleider vor der Massage ab, drehte er sich brüsk weg, stand mit dem Rücken zum Raum, sperrig, trotzig, mit gesenktem Kopf in der Ecke und wartete ab, bis mit letzter Gewissheit alles, was einen Mann, einen heterosexuellen, zu unangebrachtem Hinsehen hätte veranlassen können, wieder abgedeckt war. Die Worte der Freundin, es sei für einen Mann nicht statthaft, eine Frau länger als fünf Sekunden anzusehen, – eins, zwei, drei, vier fünf! – spitzten sich im Kopf zu einem Befehlspfeil, einer Drohung, die besonders ihm galt, der als Masseur in einem äusserst sensiblen Bereich arbeitete. Umso gefährlicher schienen ihm jene Frauen, die weder Hemmungen noch Berührungsängste zeigten, ihm nicht die Zeit liessen, alles vorzubereiten und danach rechtzeitig wegzuschauen, sondern sich sofort beiläufig, bar jeder Scham auszogen. Ob sie es darauf anlegten, dass er hinschaute? Ob sie ihn testen wollten? Mit vorgespielter Vertrautheit aufs Glatteis führten, um dann, wenn er einen Fehler machte, umso härter auszustechen? In solchen Momenten pochte ihm sein Herz im Hals, ihm wurde übel, er zitterte, litt unter Schweissausbrüchen, fühlte sich in die Ecke gedrängt. Manchmal lag es ihm auf der Zungenspitze, der Kundin zu sagen, dass er doch schwul sei, und deshalb keinerlei Verlangen verspüre, auch nicht nach fünf Sekunden, aber damit hätte er doch alle heterosexuellen, männlichen Masseure unter Generalverdacht gestellt. Ja, so kompliziert war die Welt!

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