Von Welt und Schlaf
- Daniel Costantino
- 28. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Wie wenig weiss man vom Schlaf ohne Traum. Man nimmt ihn nur an den Rändern wahr, dämmert hinein, versinkt, dämmert wieder herauf. Ein Fetzen Tuch, ein blasses Blau, wie ein Hampelmann spreizt man die Glieder. Dann wird man vom Räderwerk des Tages gepackt und seinem pedantischen Ablauf hundertmal, tausendmal, immer ganz gleich, nichts davon ist des Aufhebens wert. Mit hängender Schulter isst man abends sein Brot.
Wie schadlos dagegen existiert man im traumlosen Schlaf. Keine Bedrängnis, kein nutzloses Versprechen. Wozu noch einmal erwachen? Ein regloser Teich, eine dunkle Polarnacht könnte man sein, nichts wäre verpasst.
Ein Buch, in dem nicht jeder Satz so konzentriert wie der andere ist, sollte man nicht lesen. Man liest es trotzdem, wie man irgendwas tut und damit sein Leben vertrödelt.
Der Weg soll das Ziel sein? Der Weg schlägt sich halt durch bis zum Tod. Das Ziel ist die Einhaltung des Zeitplans.
Wachsein ist auf der Hut sein. Liest man deshalb die Zeitung? Verfolgt man deshalb die Medien, bis sie selber einen verfolgen? Man ist auf der Hut, wenn man Texte schreibt? Sie striegelt und kämmt, wie sichs gehört, damit sie gerade nicht so kariert und konform das Haus verlassen wie der, der sie schreibt und mit dem Finger auf sich selber zeigt: zu was bist du eigentlich nütze?
Dass einen der Schlaf überkommt mit spinnfarbenen Netzen, inwendigen Worten, zerknittertem Leinen. Die Wände gleiten dahin, Bögen im Schatten, zarte Phantome. Als wäre man schon dem Himmel versprochen, löst man sich auf.
Und manchmal liegt doch etwas am Weg ohne Ziel, das des Aufhebens wert ist: „Echte Wortkunst - ein Analoges gilt für alle Künste - verschmäht die fertig vorliegenden Beziehungen, die ein fremdes Ich sind; sie zersetzt die Welt immer wieder in ihre Atome.“ Richard Weiss, in einem Aufsatz über Else Lasker-Schüler. Aber wer und wo ist nicht wichtig. Jeder hat jedem etwas zu sagen.


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