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Bewerbungsschimmel und Phrasendrescher

Ich habe mich durchgemogelt. Irgendeiner fand sich immer, der mich einstellte. Und dies, obschon meine Bewerbung wirklich abgefickt war. Es haftete ihr etwas Modriges an. Sie gaukelte eine Lebenslinie vor, wo es keine gab. Ich log gewiss nicht, aber glaubte meinen eigenen Zeilen längst nicht mehr. Man könnte einwenden, es liege im Wesen der Bewerbung, auf gekonnte Weise Phrasen zu dreschen. Die Menschen stehen auf Stromlinienförmiges. Und es gibt in einer Bewerbung tatsächlich nicht besonders viel zu sagen. Eine neue Herausforderung suchen sie alle, gibt’s dafür Kohle, sowieso. Die Worte Herzblut oder Leidenschaft sollten irgendwo auf den Zetteln stehen. Und noch etwas auf Englisch. Wobei, jetzt kommt mir gerade in den Sinn, dass ich einmal den Wind der Veränderung hinter den Ohren spürte und ein neues, durchaus unkonventionelles Bewerbungsschreiben aufsetzte. Wie verzweifelt musste ich gewesen sein! Im grauen Alltag der Abteilung Human Resources würde man sich freuen, endlich einmal eine so inspirierende Bewerbung zu lesen. Es ist an der Zeit, Ungewohntes zu riskieren, dachte ich voller Hybris. Natürlich hörte ich nichts und wechselte wieder zur Normalversion.


Je öfter man eine Bewerbung verschickt, desto absurder wird sie. Der Traumjob zersiebt zwischen den Zeilen. Kleine Häppchen aber gabs immer wieder. Wie ein Affe im Zoogehege hangelte ich mich über die Jahre von Arbeit zu Arbeit, von Geld zu Geld. Ich war ein Nomade, der hie und da andockte, wo’s etwas zum Fressen gab. Gerade erinnere ich mich an ein Vorstellungsgespräch mit zwei Damen, sie sahen nach reichlich Geld auf der hohen Kante aus. Ich sollte für ihre exquisite Modezeitschrift regelmässig kurze Texte voller Sinn und Ästhetik schreiben. Zweitausend Franken monatlich! Mein Herz machte bei der Aussicht auf die Kohle Freudesprünge. Dass ich nichts von Mode verstand und trotzdem darüber schreiben sollte, liegt in der Kunst des Journalisten. Aber es kam anders. Die eine Dame plusterte sich vor mir auf und sagte: «Wir sind der Meinung, dass man alles erreichen kann, wenn man wirklich will. Das ist unsere Philosophie.» Als hätte sie an mir den Klassenfeind gerochen. Ich bekam die Stelle nicht. Die zwei Damen hatten sich von meinen Phrasen täuschen lassen.

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