Schreiben, wozu?
- Caspar Reimer
- 29. Juli
- 1 Min. Lesezeit
Es gibt Menschen, die schreiben. Einfach so. Jener, der sich dazu bekennt, erntet nicht selten Ratlosigkeit: «Du schreibst? Aha… und was machst du sonst noch?» Besser ergeht es dem Zeitungsschreiber. Seine Zeilen füttern die Demokratie. Der Journalist schreibt für den höheren Zweck und Kontostand. Er muss nicht fragen wozu, trägt er doch die Bürde der vierten Gewalt und, wenn’s hochkommt, zeitigt seine Arbeit Früchte für alle: Ist dieser Politiker noch tragbar? Nein, ist er nicht. Der Rücktritt eines Volksvertreters ist nicht selten der Höhepunkt einer Journalistenkarriere. Da ist Dampf im Kessel und Leben auf der Bühne. Ähnliches gilt für den Blogschreiber, Meinungsmacher in Ehrenamt. Das Sterben im Blätterwald ist seine Chance. Ihm geht es nicht ums Geld, sondern die Botschaft mit Namensetikett. Will er sie nach vorne bringen, muss er etwas von dem verstehen, was sich Aufmerksamkeitsökonomie nennt: den Riecher für den Moment. Klar, kurz, prägnant. Jener aber, welcher einfach so schreibt, hat weder Ziel noch Botschaft. Gerade die ist ihm ein rotes Tuch. Auch mit Leidenschaft oder Herzblut will er nichts zu tun haben. Das hat heute jede Bank. Er meidet tote Worte und trügerische Wendungen. Aktualität ist ihm zuwider. Er erhebt sich über die Zeit. Er schreibt, weil die Sprache und das, was sich mit ihr machen lässt, sein Leben ist. Das Schreiben ist ihm heilig. Dabei ist es ihm übrigens schnurz, ob er verstanden wird. Seine Texte haben Zeit. Schliesslich sind sie für die Ewigkeit.
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