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Jungs

    Andreas (Res)

    Ich möchte ihm mütterlich die zu langen Ärmel umkrempeln. Sie fallen ihm immer wieder über die Hände, während er uns gestikulierend seine klugen Gedanken vorträgt.

    (Dezember 1981)

 

    Andreas (Andi)

    Bei einem befreundeten Ehepaar treffe ich den überaus hübschen Jungen Andi, der wie ich hier zu Gast ist. Zu dritt sitzen sie auf dem Boden, barfuss, die Hände stützend hinter sich. Und der Vierte, ich, hoch zu Stuhl und immer noch in Schuhen.

    Ich rauche Pfeife und rede und rede. Und als ich endlich schweige, um die Pfeife neu zu stopfen, lachen sie.

    Ich überleg’s mir und lege das warme Stück Holz schliesslich sorgfältig auf den Tisch. Und betrachte - mit leeren Händen - Andis Füsse.

    (April 1980)

 

   

    Nachbarn. Fünf Monate im Jahre 1997

 

    Im Nachbarhaus sind zwei Lehrlinge eingezogen. Ich nenne sie Karl und Albert. Sie heissen aber nicht so.

    Sie teilen sich einen Haushalt, in dem öfter mal was fehlt. Und so habe ich sie kennengelernt - als Borgende.

    Eben sehe ich sie zusammen ausgehen. Unter seinem hübsch gestickten Käppi blickt Karls Augenpaar zu mir in meine Laube hoch. Nicht kurz oder blinzelnd - nein, ein intensiver Blick war das; ich werd’ ihn mir merken.

    (19. Mai)

 

    Albert ist im Begriff, sich aufs Rad zu schwingen, doch für mich hat er noch etwas Zeit. Er sagt wenig, hört mir aber (geduldig?) zu, wie einem (väterlichen?) Freund.

    Geduldig.

    Immerhin behält er das Rad dicht bei sich, eine Hand um die Lenkstange gelegt. Fluchtbereit, sozusagen.

    Denn, ganz ehrlich, was gehen ihn eigentlich meine Sätze an?

    (29. Mai)

 

    Karl läutet. Ich gehe, noch etwas feucht vom Bade, im Frotteemantel zur Tür. Und da steht er also, für einmal ohne eine Bitte. Besucht mich einfach.

    (Jesses, er besucht mich!)

    Ich werde verlegen.

    Dann tue ich so, als wäre das ganz normal. Setze mich in Bewegung. Ich mache Tee.

    Er bleibt so ungefähr ein Stündchen. Redet klug, lächelt zu meinen Komplimenten und duldet auch meine Hand auf seinem Nacken. Kurz nur. Wir spielen ein bisschen Intimität.

    I c h spiele

    Irgendwann geht er. Verabschiedet sich mit einem kräftigen Händedruck.

    (30. Juni)

 

    Am Fuss der Treppe, im Dunkel, steht Albert. Er braucht Teigwaren. Ich gebe ihm die Penne Rigate, Barilla No. 73, und leg’ noch ein paar Scheiben Pancetta dazu.

    Und ein Buch obenauf.

    (Ein Abend im September)

 

    Knaben

    Man sucht vielleicht die Nähe zu Knaben. Doch nie zu sehr; wünscht man sich doch auf keinen Fall, an der Frage „was geht?“ vorbei einfach Getriebener zu sein.

    (Oktober 2017)

 

    Wenn man übrigens auf der Strasse kleine Jungs ansieht, kann es geschehen, dass sie einfach grüssen.

    (Sommer 1990)

 

    Im Supermarkt

    Wieviel Zeit braucht wohl dieser Junge jeden Morgen für seine wie mit Hexenzauber und Hexenklauen gekämmte, gezogene, aufgerichtete Frisur?

    Und nun sitzt er da an der Kasse und schiebt, unbewegt beinahe, alle diese Einkäufe am Rechner vorbei.

    Dieser Kopf: wie ausgestellt. Und ich? Ich gehe diesen besuchen, betrachten, unter dem Vorwand, Putz- und Lebensmittel einkaufen zu müssen.

    (Juni 1996)

 

    Beteuerung

    Warum, lieber Freund, beteuerst du mir immer wieder, dass du mich magst, aber nie ohne zu betonen, dass du nicht schwul seist, nicht im geringsten?

    Aber es ist reizend, wie dein überaus hübscher Mund das Wort „schwul“ ausspricht. Als wären da Finger an diesen Lippen, die es langsam formten.

    (Undatiert)

 

 

    Ladies hats

    Eine Fotoserie von Erwin Olaf

 

    Man sieht Brustbilder von jungen Männern, mit nichts bekleidet als Damenhüten. Und die Hütchen machen was mit den Jungs. Zugleich keck und freundlich besagen Gesicht und Hütchen, Brust und Hände: Nimm mich - in den Blick.

    Danke für das Vergnügen, sagt der Betrachter.

 

    Das Hütchen wirft einen kühlen Schatten auf die aufkommende erotische Anwandlung.

    (Februar 2022)

 

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