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Träume

    „Wenn im Schlaf das Bewusstsein einschlummert, erwacht im Traum die Existenz.“ (Michel Foucault)

 

    Träume

    Sie vervollständigen mich, obwohl von ihnen bei Tage wenig übrig bleibt. Aber sie waren da.

    Wenn ich nun - einerseits - den Traum im Wachen weitgehend vergesse, so verhält es sich - andererseits - doch so, dass ich mich im Traum auf sonderbare Weise an mich erinnere, oder, überspannt gesagt, meiner gedenke.

    (Januar 2017)

 

    Wo ist der Traum geblieben?

    Das fragt man sich manchmal, wenn man zwar weiss, dass man geträumt hat, aber nicht mehr, was. Man gerät in eine zarte Verlorenheit, in so etwas wie eine Mulde, die der Traum hinterlassen hat, noch warm vom Geträumten.

    (März 2014)

 

    Dinge, die man nicht mehr findet

    Oft findet man in Träumen Dinge nicht oder nicht rechtzeitig, um sich wohlausgerüstet irgendwo einzufinden. Andere, eben noch in der Nähe, sind verschwunden, weggehuscht. Nur ihre Stimme hört man noch, in unbestimmbarer Ferne. Schliesslich ist man allein mit, sagen wir: ein Paar Schuhen an nackten Füssen und einer Wolldecke, die man sich über die Schulter gelegt hat.

    (September 2014)

 

    Es sieht manchmal so aus, als wachten meine Träume über mich, weit in den Tag hinein, als bekäme das Wachsein seinen eigenen Status nicht ganz zurück. Irgendwelche Traumkonstellationen wären noch nicht weggeräumt... weggeträumt, und wirkten noch zwischen den Banalitäten des Wachzustandes, könnten aber nicht zu neuerlicher Traumform auflaufen, zur akzentlosen Bewegtheit fern aller Banalitäten.

    (Oktober 2018)

 

    Ich fahre auf einen grossen Platz, stelle das Auto ab und gehe auf eine Bauruine zu, wo irgendwo ein Lichtlein brennt. Ich trete ein und übergebe etwas, eine Winzigkeit nur.

    Und von da geht’s weiter, mal in einem Zug, mal in einem Bus. Steige also „traumsicher“ irgendwo ein und weiss sogleich: Ich fahre in die falsche Richtung.

    Es wird Nacht. Und es sind noch viele Menschen unterwegs, die anscheinend alle wissen, wo’s lang geht. Und ich versuche, ihnen nicht allzu unähnlich zu sein.

    Das Besondere an so Träumen ist das eigentlich Verfehlte, das durch das Traumgeschehen hindurchgeht, ohne wirklich zu beunruhigen.

    (Dezember 2016)

 

    Man geht zu Bett. Der nächste Tag ist beschlossene Sache. Man könnte allerdings das Erwachen verweigern. Aber wie?

    Denn siehe: Schon wieder wird ein neues Erwachen angezettelt. Die Neuigkeit verbreitet sich in Windeseile, und schon ist man aufgestanden, der Tag feierlich eröffnet: Anschlagen mit dem Löffelchen an die Teetasse. Kurzes Begrüssungswort, umrühren, erster Schluck, Griff zu Buch, blättern.

    (Mai 1992)

 

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