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Über das Schreiben


    Das Tagebuch - die Gedankenbrut im melancholischen Nest.

    (Januar 2012)

 

    Ein Wahn: zu glauben, man müsse schreiben (mit der Ahnung einer existenziellen Dringlichkeit). Dabei würde man den Tag auch so ganz ordentlich überstehen.

    (November 2014)

 

    Manche Tage sind so gut, dass jede Notiz über sie ein Makel wäre.

    (Januar 2000)

 

    Das jederzeit Erlösende eines guten Gedankens!

    (September 2016)

 

    Schreiben, immer wieder, ist so etwas wie „an den Dingen des Lebens herummachen“; man hat ein leicht obszönes Verhältnis zum... Dasein?

    (Februar 2014)

 

    Nie herrscht Ordnung, immer liegen Worte (Wörter) herum.

    (Februar 2001)

 

    Es gehört sich nicht, ins eigene Tagebuch ein Buchzeichen zu legen.

    (Dezember 2019)

 

    Wenn man gute Gespräche hatte, ist es doch zu komisch, nach Hause zu eilen, um das eine oder andere davon aufzuschreiben, ehe man’s vergisst. Es hat etwas von Geiz an sich, man handelt geschäftsmässig - wo man doch eben noch so verschwenderisch war im Austausch von Gedanken.

    Man treibt ein doppeltes Spiel, wird im nachhinein zum tüchtigen Bürger.

    (Januar 2012)

 

 

    Ein deutsches Schreibwarengeschäft regt mit schönen und hochwertigen Erzeugnissen zum vermehrten Schreiben mit der Hand an. Es sieht so aus, als gälte in unseren Tagen die zwischenzeitliche Befreiung der Finger von der Tastatur als etwas ganz Unerhörtes.

    (Dezember 2020)

 

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