Notizen 12
- Caspar Reimer
- 13. Mai
- 2 Min. Lesezeit
KI
Die KI generiert Texte, Bilder und Musik. In Sekundenschnelle. Ich gehöre noch zu jenen, die Artikel für die Zeitung quasi von Hand schreiben. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Wendung für Wendung, Satz für Satz. Ich gebe mir Mühe und fühle mich schlau dabei. Das hat etwas Rührendes und Lächerliches zugleich. «Einen Artikel schreiben? Ha! Wie peinlich ist das denn! Ey Alter, wach auf!»
Ich spiele gern mit dem Feuer: Neulich hatte ich eigene Texte der KI zur Interpretation vorgelegt. Und siehe da: Die Maschine wusste zu jedem meiner Texte irgendetwas Schlaues zu sagen. Ich fühlte mich danach schal, nutzlos und irgendwie beschmutzt. Als hätte die KI meine Texte vergewaltigt, ihnen den Zauber genommen. Ich blickte aus dem Fenster. Es schien mir das Ende.
Ich habe meinem inneren Schweinehund nachgegeben und die KI gebeten, meinen Roman fertigzuschreiben. Einfach so, aus Neugier. Die KI legte mir ein Konzept und bereits fertige Kapitel vor. Freilich könne sie nicht den ganzen Roman auf einmal generieren (wie authentisch!). Sie ermunterte mich stattdessen zu einer produktiven Zusammenarbeit (wie sympathisch!). Seither kann ich meinen Roman nicht mehr ernst nehmen.
Die KI saugt alles auf und stellt es zur Verfügung. Mit einem Klick ist es nachzulesen. Man muss es nur noch nachbeten. Gedanken bräuchte sich keiner mehr zu machen. Zeitraubende Irrläufer wären Geschichte. Es sei aber die Frage erlaubt, was die Menschen mit all der frei werdenden Zeit anfingen. Schoppen? Ja, aber zuvor muss Geld verdient werden.
Was soll er nun tun, der schreibende Künstler? Wohl eine ganz neue Sprache finden. Ich nehme die Herausforderung an!
Popkonzerte
Popkonzerte sind laut. So laut wie möglich. Wie heilsam ist es, nach einem solchen Konzert auf dem Balkon zu stehen und in die Sterne zu blicken!
Bei Popkonzerten bin ich ein Mitläufer. Ich gehe mit, halt. Sehe ich Leute zum Ohrwurm hüpfen und toben, bin ich manchmal gerührt und denke: Man kann sich das Leben auch einfacher machen…
Anderes
Ich liebe die Stille. Es ist erstaunlich, wie viel man von ihr zu hören vermag.
Man stelle sich vor, die Menschen wären nach Auffassung der Psychiatrie alle gesund. Was für eine langweilige Gesellschaft!
Die Wichtigtuerei, Schriftstellern wie Franz Kafka irgendwelche psychischen Erkrankungen anzudichten, statt sich mit ihrer Literatur auseinanderzusetzen, zeugt von geistiger Armut. (Diese ist freilich weitest verbreitet).
Manch frischer Wind entpuppt sich als alter Zopf.

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