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Raucht sie tot

Das Rauchen trügt mit dem Nimbus der wilden Zeit, als sich niemand drum scherte. In den Gasthöfen, in den Spelunken, in den Zügen, im Auto wurde geraucht ohne Ende, und der Rauchende, selbst ein unsympathischer, wurde geehrt und geachtet. Das Rauchen, gesellschaftlicher Konsens, gehörte einfach dazu, für den rechten Mann sowieso, später auch für die emanzipierte Frau. Das Rauchen war also keine Sache von Freiheit, als vielmehr eine der Mode, der gesellschaftlichen Konvention. Damals gehörte sich, was sich heute nicht mehr gehört.


Freilich spricht nichts dagegen, auf gesundheitsschädigende Aspekte des Rauchens hinzuweisen und im Sinne einer Kapitalismuskritik darauf, dass die Tabakindustrie mit Sucht ihr Geld verdient. Aber: Das Internet will mir weismachen, dass ich mit einer Zigarette am Tag praktisch schon tot bin. Dass nur jener, der vor dem 45. Lebensjahr den kompletten Rauchstopp hinkriegt, dem Sensenmann gerade noch so von der Schippe springt. Dass selbst eine Zigarette im Leben das Krebsrisiko um soundso viel Prozent erhöht. Die Liste liesse sich fortsetzen.


Es könnte andere Studien mit anderen Ergebnissen geben. Etwa, dass mit jedem Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit, in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, ansteigt. Dass der Druck zur rentablen Selbstoptimierung bei gleichzeitiger Vorhersehbarkeit eines Arbeitslebens das Depressions- und damit das Suizidrisiko erhöht. Dass digitale Dauerberieselung die Neurotransmitter im Gehirn verkrüppelt, was eine erhebliche Gefahr für Demenz in sich birgt. Die Liste liesse sich fortsetzen.


Etwas Pathos zum Schluss: Wie wär’s denn damit, mehr im Moment zu leben? Ich werde jetzt eine Zigarette rauchen. Und sehen, was passiert. Vielleicht bin ich morgen tot.

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