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Schweizer Humor

Der Schweizer, hört er den Begriff Schweizer Humor, denkt an seinesgleichen dabei. Sicher versteht er Spass! Und wenn er Deutschschweizer ist, stellt er sich diesen Spass nicht auf Französisch vor, mit Esprit. Humor hat mit seinen Schenkeln zu tun. Mindestens dass er sich drauf klopft. Und wenn auch sein inklusiver Reflex gut funktioniert, hängselt er flugs eine Schweizerin an. SchweizerInnenhumor. Ach was, dranhängen, die Schweizerin reicht doch vollkommen! Ganz ungebunden sieht er sie vor sich und ihm wird ganz anders. Das bringt ihn in Stimmung!

Der Gedanke hingegen, Schweizer Humor könnte sich auf etwas Französisches oder Italienisches auch beziehen, fällt diesen Umständen völlig zum Opfer. Und den Räteromanen entdeckt er nur einmal im Jahr, am 1. August bei Bier und Grill im Garten. Da ragt er hervor aus der Willensnation. Wie hinter dem Busch. Von ganz zuhinterst.

Seinen Humor, wenn man ihn hoch ansetzt, hat der Deutschschweizer im Bauch. Als einen tiefen, animalischen Reflex. Und wie der inklusive ist er auch so geartet, dass er nicht reflektiert. Denn dann wäre die Pointe versaut. Schweizer Humor ist doch ein Witz! denkt er, was sonst? Oder meint Humor garnicht die Pointe? Wäre eine humorlose Pointe noch lustig? Und wenn er trotzdem lacht? Dann wäre der Witz nur ein Jucken. Und Humor - das wäre ein Streicheln gewesen.

 

„Wenn Roboter für uns arbeiten, haben wir wieder mehr Zeit, darüber nachzudenken, welches Leben wir wirklich wollen und was uns glücklich macht.“

So bünzelt das Schweizer Fernsehen, dem die Zukunft nicht nur Verheissung, sondern „Gestaltungsauftrag“ ist. E ja. Die ältere Generation lebt, damit die jüngere es besser hat. Und die jüngere lebt, damit die nächste besser stirbt.

 

„Politik, die sich zum Ziel setzt, die Welt zu verbessern, ist illusionär.“ Aus der Botschaft des Bundesrats zur Armeeabschaffungsinitiative 1989. Galgenhumor? Nein, die politische Botschaft schlechthin.

 

Aber Humor auch im Privatprogramm: Rauchzeichen vom tristen Alltag. Die Lachsalven sind künstlich. Auf einer Bananenschale rutscht einer aus. Eigentlich immer ein Mann. Kein Gendersender macht sich lustig darüber.

 

Mein Klavier steht mitten im Zimmer. Jemand hat es von der Wand gerückt und ausgeweidet. Sämtliche Tasten sind ihm gezogen und liegen am Boden herum. Der offene Deckel entblösst ein zahnloses Maul. Seit vierzig Jahren ist es versichert, kein Dieb hat es weggetragen seither. An sein Holz hat kein Pyromane ein Feuer gelegt. Und nun muss ich sowas erleben.

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