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Von den Reinen und Gerechten

Manche Ideologie, etwa die Heilsbringung des freien Marktes oder die Glorifizierung des eigenen Landes, wird nicht als solche erkannt, weil sie Normalzustand ist. Auf bestem Weg, ganz und gar fester Bestandteil der menschlichen Zivilisation zu werden, befindet sich ein, wie ich das Phänomen gerne bezeichne, Reinlichkeitswahn, der mit einem moralischen Eifer Gesundheit und Gerechtigkeit vorschiebt, doch im Grunde totalitäre Züge trägt.


Wenn Neuseeland das Rauchen verbieten will, die rauchfreie Gesellschaft zum politischen Ziel erklärt und die hiesige Linke das im Sinne eines klassenkämpferischen Erfolges gegen die Profitgier der Tabakkonzerne mit dem Pathos der Gerechten feiert, ohne dabei zu erwähnen, dass es den Staat nichts angeht, was ich mit meinem Körper mache, ist das nur die Spitze des Eisbergs. Gerade während der Pandemie sickerte in linken Publikationen wie der Wochenzeitung WOZ oder der ZEIT eine Staatsgläubigkeit durch, die jeden Freigeist erschauern lässt, sind es doch gerade die Putzfrau oder der Barbesitzer, die wegen der staatlich verordneten Massnahmen in existenzielle Nöte gerieten. Die WOZ wertete den gemässigten Kurs der Schweizer Regierung als Kniefall vor der Wirtschaft und offenbarte damit ihre Idealvorstellung eines starken Staates, der autoritäre Züge trägt.


Nichts ist dagegen einzuwenden, Herkunft und Anwendung von Begrifflichkeiten zu prüfen, ihnen nachzuspüren und damit den eigenen Horizont zu erweitern. Das genaue Gegenteil verbrechen jedoch jene Gerechtigkeitsturbos, welche der Sprache ihr moralisches Korsett aufzwingen, sich der Debatte verweigern und dabei glauben, darüber verfügen zu können, wer zu welchem Thema etwas sagen darf. Der emanzipatorische Funke verkommt so zu einer starren Ideologie mit Herrschaftsanspruch, insbesondere dann, wenn Politiker als ihr Verfechter auftreten.


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