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Von Hauch und Brauch


Schweizer sein: verwelken ohne geblüht zu haben.

 

Man kann natürlich sagen, ein Affe dürfe im Käfig frei herumlaufen. Aber ist er deshalb ein freier Affe?

 

Man kann auch sagen: Freiheit und Demokratie. Und nach der Leine begehren wie der Hund, der sich bewegen und Gassi gehen will.

 

Warum diese Vergleiche mit Tieren? Weil man an ihnen unsere Dressur ablesen kann.

 

Sei doch vernünftig! - was heisst das schon.. Doch meistens nichts anderes als zu gehorchen. Man untersuche das Ansinnen an den nächsten zehn Beispielen, die man zu hören kriegt.

 

Sich einer unglücklichen Liebe wegen umzubringen, ist die aufrechte Tat der Jugend, der Beweis ihrer stürmischen Leidenschaft, die nichts Lächerliches an sich hat. Der selbe Akt hätte, nach allen weiteren Übeln und Demütigungen des Lebens, in späteren Jahren etwas Aufschneiderisches an sich.

 

*

Alles Grosse beginnt ganz klein, in einer winzigen Lücke, grad so, dass es nicht wieder herausfällt. In ihrem Schatten hält es sich fest und wächst heran und füllt sie aus bis an den Rand, rundherum ist der Rand. Ein wenig zieht es den Bauch ein dabei, denn immer noch wächst es und wächst. Und hält den Atem an und schaudert, wie gross es noch werden soll. Und endlich, nach langem Ringen krumm und verbogen, sprengt es die Lücke und quetscht sich in die Welt hinaus, hustet sich aus dem Schatten ins Licht, breitet sich zu einer mächtigen Blase, steigt in die Höh und verkündet der Welt, die klein bleiben und eng bleiben und siehe, aus uns kleinen Lückenbüssern bestehen muss, grosse Freude aus dem höchsten Oben herab, dessen es selber teilhaftig: „dieTranszendenz in der Immanenz, die Jenseitigkeit in der Diesseitigkeit, die absolut-relative, diesseitig-jenseitige, transzendent-immanente, allesumgreifend-allesdurchwaltende wirklichste Wirklichkeit im Herzen der Dinge, im Menschen, in der Menschheitsgeschichte, in der Welt.“

Und die Blase ist Wort und das Wort ist Hans Küng und Hans Küng ist bei Gott. Und Priester und Kirchenrebell, über jede Lücke erhaben. Und alle dogmatische Kleingeisterei.

 

*

Oh, wie ich diese Welt geniesse!

Dieses Leben, das uns gegeben wurde,dieses Geflecht aus Erfahrungen,

das uns zu Lebewesen formt...

Und auch wenn ich scheiden mag,

wird mein Geist noch singen,das Lied des ewigen Lebens,

das durch alles fliesst.

 

Der Pathos der ersten Zeile, (oh, wie ich diese Welt geniesse!) fällt in der zweiten - dieses Leben, das uns gegeben wurde - übergangslos in sich zusammen. Der hohe Einfall landet auf dem Hosenboden der Einfalt. Zeilen drei und vier: der blanke Unsinn. Undsoweiter. Solange ein Geist in mir singt, wird er die Frage, ob dieser Text von einem Menschen oder einem Computer stammt, nur für eine Quizfrage halten, dagegen das „Geflecht aus Erfahrungen″, das einen Leser dazu formt, ihn für ein Gedicht zu halten, für die alles entscheidende.

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