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Der Punkt vor dir

Ihm schien, als kreise das Leben seiner Kollegin um einen Punkt, der irgendwo vor ihr auf Schulterhöhe irrlichterte. Sprach sie, streckte sich ihre Nase wie der Schnabel einer Giesskanne zu diesem Punkt hin. Es war einfach, mit ihr auszukommen. Man musste sich nur auf diesen Punkt konzentrieren. Ein Ort, an dem unablässig geplaudert und gelacht wurde, der alle Fröhlichkeit auf sich zog. Schönen wundervollen guten Morgen, lieber Kollege! Hier ist deine liebe Kollegin! Zurückhaltung kannte sie nicht. Manchmal fragte er sich, ob die Kollegin überhaupt ein Innenleben hatte. Ob sie auch mit sich selbst sein konnte. Bald wusste er mehr von ihr als über die anderen Kollegen, mit denen er schon länger zusammenarbeitete. Sie plauderte wie ein offenes Buch und selbst tragische Ereignisse, wie der frühe Tod ihres Vaters, passierte sie nebenbei auf Sonntagsausflug. Gram und schlechte Laune hatten keinen Platz. Er, der am liebsten seinen eigenen Gedanken frönte, wollte sich nicht den Miesepeter nachsagen lassen. Und er verspürte einen Druck, hatte sich die Kollegin doch wie selbstverständlich mitten ins Team gesetzt, einfach so, als sei sie immer dagewesen. Während ihm die Arbeitskollegen oft Figuren seiner Innenschau oder Ängste seiner Seele waren, plauderte die Kollegin mit diesem und jenem sofort wie auf Bestfreund. Wollte er sich nicht zum Mauerblümchen diktieren lassen, musste er handeln. Für ihn jedoch war Plauderei am Arbeitsplatz zwar bedingt möglich, nicht aber vordringlich. Sie war Vorsatz, etwas, wofür er seine Energie zu bündeln hatte. Bevor er morgens also das Büro betrat, atmete er tief durch und warf sich sodann in sein Vorhaben: Guten Morgen! Wie heiss es doch ist! Gott sei Dank haben wir eine Klimaanlage im Schlafzimmer. Etwas kehrte sich in ihm, nicht schmerzhaft, jedoch unangenehm wie die Höhenangst. Anfangs bangte er um sein Innenleben, um seinen Eigensinn. Doch wie sich herausstellte, war die Angst unbegründet. Er gewann Plaudersicherheit und griff sich diesen Punkt, den er bei der Kollegin ausgemacht hatte, wie einen Ball. Dann spielten sie Pingpong.

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