Ein Mörder läuft um
- Daniel Costantino
- 15. Okt.
- 3 Min. Lesezeit
(wenn der „Blick″ nicht aufpassen würde)
Der schauderhaften Frage, ob auch der kaltblütigste Mörder das Recht habe, eines Tages wieder in Freiheit und auf uns rechtschaffene Bürger losgelassen zu werden, widmet Chefredaktor Cavalli vom „Blick″ ein Gesellenstück, das die Courage des Journalisten mit der alarmierenden Tendenz verbindet: es kommt noch einmal so weit. Denn so ein Mörder, wenn man ihn sucht, steckt er wie die Nadel im Heu, millionenmal Heu und man findet ihn nicht. Doch wenn er freikommt, lebt er mitten in der Gegend, im ruhigen Quartier unter uns, wo er lauert hinter dem Hag und mit böser Visage. Keiner ist mehr sicher vor ihm.
Der schlimmste von allen hat viermal gemordet, ein Abgrund des Grauens. Auf einen Streich einer ganze Familie frühmorgens, kaum war sie wach, sämtliche Gurgeln durchschnitten und den Jüngsten geschändet und alles abgefackelt zuletzt, man sieht das schmucke Häuschen im Bild. Und plant’ schon den nächsten Coup, als man ihn gerade noch schnappt. „Wenn nochmals so etwas passiert wäre, hätte das die ganze Schweiz destabilisiert.″ Ja du heilige Neutralität, die Schweiz destabilisiert! Wir sässen schön in der Tinte.
Er aber sitzt nun zehn Jahre im Knast und, es ist furchtbar, dies sagen zu müssen, schon heckt er aus, eine Therapie zu beginnen. Welche Chuzpe! Da ermordet einer „mit kalter Präzision″ vier Menschen und hat das Gesicht, nach zehn Jahren eine Therapie zu verlangen, und der Staat, das sind wir, sollen sie auch noch bezahlen! Und zu was? Damit er freikommt am Ende! Nämlich er kann sich verstellen, der Schuft, dass man glaubt, er führe sich gut. Und wickelt Beamte und Wächter wie er will um den Finger, auch den Gutachtern wird er die Köpfe verdrehen, bis sie sich einbilden, sie hätten ihn therapiert.
Hinter dem Rücken der Presse hat er den Antrag gestellt und den ersten Erfolg schon erschlichen: Ein Gericht ordnet an, man müsse ihn prüfen. Was, prüfen!! Dieses dreiste Ansinnen lässt so ein lausiger Rechtsstaat noch prüfen und schämt sich nicht einmal dafür!
Wir sind erschüttert.
Aber gottlob steht uns der Cavalli zur Seite und tischt einen Fakt auf den andern auf. Die werden sich hüten, dem eine Therapie zu gewähren. Hehe, der bleibt drinnen, bis er abkratzen muss. Denn Cavalli, wie sichs für einen rechten Journalisten gehört, weiss zu differenzieren. Dagegen kommt auch ein Rechtsstaat nicht an. Zum Beispiel einen anderen Mörder beschreibt er, der ist selber schon tot. Damit man nicht denke, er sei noch gefährlich. Das wird er gewesen sein nach der Tat, auch er hatte vier Menschen ins Gras beissen lassen, und die Schlagzeilen vom „Blick″ schlugen auch damals Alarm und halfen ihn suchen. Aber abgefeimt war der nicht, das weiss heute Cavalli, der hatte halt irgendwo eine Waffe rumliegen und damit „die Kontrolle verloren″. Und leider vier Bürokollegen. Und nicht einen davon hat er aufgeschlitzt! Das ist doch wohl etwas anderes. Gnade, wem Gnade gebührt: Der kam tatsächlich nach Verbüssung der Strafe wieder in Freiheit und ist dortselbst auf seine alten Tage völlig unbescholten verstorben. Der steigert dem Cavalli die Auflage nicht mehr. Drum hat er sich auch diese zweite Chance verdient.
Ja, so ist es, wahr und wahrhaftig. Und geschrieben, als wäre man selber dabei. Das erste Zitat, ich vergass es zu sagen, stammt von einem früheren Aargauer Polizeidirektor, es sei nicht dem Cavalli vom „Blick″ untergeschoben. Der würde so etwas auch niemals tun. Der kennt den Journalistenkodex.
Quelle der Inspiration:
Wer wagt, den Vierfachmörder freizulassen?
Blick online vom 11.10.25
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