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Repepe-tetiti im VBS

Es gibt den Kitsch, es gibt das Machwerk und es gibt die digitalen Medien der Schweizer Armee. Sichtlich gesonnen, Mitarbeiter und Publikum für Simpel zu halten, klabustert das Filmchen „Werte und Verhalten VBS″ mit bewegter Grafik die hohlsten Phrasen zusammen. Der Anfang geht so (zum Video nach unten scrollen):

 

„Ganz unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Berufen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen, sie alle tragen zur Vielfalt des VBS bei. Die verschiedenen Verwaltungseinheiten, Abteilungen und sogar Teams haben unterschiedliche Kulturen. Das macht die Diversität aus, für die das VBS steht. Alle haben unterschiedliche Anforderungen an die Führung...″

 

Etwas durch Wortwiederholung und Beischüttung von Synonymen eingetrichtert bekommen, verbaut dem Denken den Weg. Das Zeugs liegt wie Stolpersteine in den Hirngängen herum. „Unschöne Wiederholung″, wie schon der Deutschlehrer überspannten Schüleraufsätzen ankreidet, trübt die geistige Klarheit. Wer vom Arbeitgeber, hier dem Staat, einer solchen Behandlung ausgesetzt wird, soll nicht denken, nicht mitdenken, etwas infragestellen schon gar nicht. Wie ein Kleinkind soll er gaffen und Bauklötze staunen, dafür ist der Strip gemacht. Für brave, folgsame Schafe ohne selbständige Intelligenz. Jede Mündigkeit wird eingemottet. Die Macher werdens wissen und schweigen. Aber die Motivierungs- und Optimierungspsychologie ist mittlerweile so erdummt, dass auch der Dümmste sich indigniert davon abwendet.

 

Ein Einführungstext führt den Streifen so ein:

 

> Offenheit, Respekt, Vertrauen, Mut und Weitsicht sind die Werte, welche unsere tägliche Zusammenarbeit im VBS untermauern. Sie stiften Orientierung und prägen das Verhalten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Stufen: vom Team bis zur Departementsspitze. <

 

Man kompromittiert sich ja, hier dazuzugehören. Welch salbungsvolle Verwedelung realer Anstellungs- und Abhängigkeitsverhältnisse, strenger Hierarchien, von Konkurrenz und Benotung, digitaler Kontrolle undsoweiter! Wer von Kindsbeinen an mit den Surrogaten der „Leistungsgesellschaft″ und den Schmonzetten von Freiheit und Glück wie von Gebetsmühlen eingedeckt wird, dem ist dieses Mantra in eigener Sache doch höchstens ein müdes Lächeln wert.

Und auch hier, frei vom Firlefanz der grafischen und musikalischen Schnipsel, im bloss geschriebenen Text, baut das VBS tapfer auf die Zustopfung des Denkens durch Wiederholung. Die direkt folgenden Zeilen:

 

> Eine positive und kollegiale Unternehmenskultur ist uns im VBS sehr wichtig. Dank den fünf Werten – Offenheit, Respekt, Vertrauen, Mut und Weitsicht – pflegen wir eine gemeinsame Kultur, eine Basis, die uns als Einheit auszeichnet. <

 

sind durch ihre repetitive Penetranz von den Sprachmanipulationen in literarischen Dystopien nicht zu unterscheiden. Aber der Mensch braucht sein Brot, also wird er sich bekloppen lassen und die Dinge gleichmütig hinnehmen müssen.

Abschliessend bringt sich das Armeedepartement noch mit einer besonderen Grille im Stil einer dumpfbackigen KI-Schwätzerei als Vordenker ins Spiel:

 

> Was die Werte bedeuten, hängt von der Situation ab, in der sie zum Tragen kommen. Die Werte bieten Interpretationsspielraum, dadurch erlauben sie es, die Diversität, die das VBS ausmacht, zu berücksichtigen und trotzdem ein gemeinsames Fundament zu schaffen. Einige Facette dieser Werte finden Sie im untenstehenden Video. <

 

Den Tippfehler habe ich beibehalten, auch ich sehe nämlich „Veränderungen als Chance″, grad für das VBS und ganz im Sinne nun wieder der Videoklamotte, die schlaubergert, dass die fünf Werte „einzeln schon sehr bedeutsam sind und viele Facetten enthalten″ (Minute 2.30). Damit stelle auch ich diese Arbeit als mein „Ziel in den Vordergrund″, gewähre grosszügig „Handlungsspielraum″ und pflege, das will ich doch meinen, imgrunde ja nur „eine positive Fehlerkultur.″

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