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Homo civilis

An seinen Haustieren führt der Mensch sich selber vor.

Durch den Hund an der Leine zum Beispiel, folgsam und treu, man braucht ihn garnicht zu schlagen. Vom Wolf ist nichts mehr übriggeblieben. Er hat seine wehrhaften Instinkte verloren und gehorcht seinem Meister aufs Wort.

 

Mancher bewundert die Katze, sogar die Hauskatze. Da sie sich nicht abrichten lässt wie der gutmütige Hund, fühlt er sich an seinen eigenen Freiheitswillen erinnert. Darum hat er ihr das Mausen verboten und sie aufs Katzenklo dressiert.

 

Die Zuchtmeister des Menschen durch die Jahrhunderte: Fürstenhaus, Kirche und Staat. Und immer die Hand, die ihn füttert.

 

 

Mit wenigen Dingen um sich kommt man mehr durcheinander als mit allem aufs mal, weil die Dinge jetzt Platz haben, sich zu setzen.

 

Das Ärgerliche eines Tagesbefehls liegt darin, dass er jedes selbständige Denken verhöhnt. Wer ihn aber erlässt, ist auch nur ein folgsamer Trottel. Darin liegt das Lächerliche eines Tagesbefehls.

 

Welcher zivilisierte Mensch wüsste in freier Wildbahn an Futter zu kommen? Wäre er sportlich genug, um Beeren zu pflücken, spränge er doch keinem Löwen davon.

 

Solange es Schlachthöfe gibt, sagt Tolstoi, wird es auch Schlachtfelder geben. Dies gegen die Idylle der Kuhweide zitiert.

 

 

Ein Alter am Früchtestand sucht sich ein paar Äpfel aus und reicht sie der jungen Verkäuferin. Während er Geld aus seinem Portemonnaie klaubt, tropft ihm die Nase, und ein paar Tropfen fallen auf die übrigen Äpfel. Da er‘s nicht merkt, kommt er nicht in Verlegenheit. Und die Verkäuferin, die ihm sein Rückgeld herausgibt, tut, als hätte sie nichts gesehen.

Dann bedient sie den nächsten Kunden.

 

Aufnahme Citynotfall. Wir stecken in Schwaden von Licht, von schneeweissen Zylindern, milchigen Tischchen im Lichtstaub. Wie verschmutzte Kristalle säumen Pflanzen in Glas eingelegt die Schneise zur Theke, eine Haischwanzflosse im Meerschaum kopfüber. Schemen von Bildschirmen, kleine Pulsare, Laptops, leise im Hintergrund trommelnder Regen. Eine Iphonemarimba schlägt durch den Raum. Mein Freund spürt Druck auf der Brust.

Ihr Geburtsdatum?

Ein Lächeln schaut auf, ein hurtiger Lackstrich.

Versicherungskarte?

noch bevor mein Freund seinen Geburtstag nennt.

Die Karte stimmt. Sie werden abgeholt, bitte nehmen Sie Platz. -

Jede Wehklage verbietet sich hier.

 

 

Würde der Mensch, und nur er, auf sanfte Weise vom Erdboden verschwinden – wer wäre durch die Evolution an seine Stelle getreten in ein paar hunderttausend Jahren? Am Ende die Hauskatze, die nun selber das Katzenklo putzt.

 

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