Im Zwischenreich
- Caspar Reimer
- 11. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Juni
Neulich trat er eine Stelle an, doch als er dort ankam, war keiner da, der wusste, was er zu tun hatte. Überhaupt schien ihm auf dem Gelände, weitläufig abseits der Stadt, wo die Morgensonne Baumkronen sprenkelte und Büsche den Schatten suchten, nicht viel los. Die Himmelshand hatte Häuschen wie Würfel über dem Park verstreut, deren Zweck sich darin zu erschöpfen schien, dass sie existierten. Wie lange die wohl schon dastanden? Ob jemand nach dem Rechten sah? Er spazierte durch den Park, als er seitlich eines Gebüschs eine Handvoll Leute erblickte. Sie hatten ein Tuch auf der Wiese ausgebreitet, sassen da und schwiegen. Ihre Körper reckten sie zur Sonne hin, ihre Schultern zeichneten Kreise durch die Luft und dazu schüttelten sie ihre Köpfe, als wollten sie Nein sagen. Alle trugen sie farbige Mützen, deren Zipfel wie kleine Propeller wirbelten. Er sah hin und der Anblick berührte ihn komisch. Ob er sie ansprechen sollte? Doch irgendwie spürte er, dass diese Leute ihm nicht helfen konnten. Also ging er weiter und fühlte sich gar so lebensleicht, hatte er doch damit gerechnet, sofort für eine Arbeit eingespannt zu werden. Doch zugleich nagte ihn der Pleitegeier. Er brauchte die Arbeit, um an Geld zu kommen. Wo würde er die finden? Aber er hatte doch einen Arbeitsvertrag! Mit festem Monatslohn, im Doppel unterschrieben! Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag, sagte er sich. Jetzt sah er auf einer Sitzbank, über die ein alter Baum seine Schattenpfote gelegt hatte, drei Kapuzenmenschen. Neben ihnen sass ein schwarzer Kater und alle vier begnügten sich damit, ihn, der da vorbeischritt, anzusehen. Ihm war, es zögen ihre Blicke ihm die Kleider aus. Unerhört! In der Luft hing der Hauch eines Joints. Hatten die nichts zu tun? Zu seiner Rechten ein längliches Gebäude. Es schien, wie er jetzt auf einem Schild erkennen konnte, das Personalbüro zu sein. Endlich! Bald würde sich alles aufklären. Er öffnete er die Tür. Hinter einer Theke sass eine Frau, das Gesicht noch lieb und zerbrechlich vom Schlaf. Sie nickte und lächelte so, als sei damit alles gesagt. Er habe heute seinen ersten Arbeitstag, aber wisse nicht, was er zu tun habe und vor allem: wo? Jetzt, sie schien prompt wach zu werden, fragte sie nach seinem Namen. Nachdem er geantwortet hatte, erhellte sich ihr Gesicht obenauf: «Ah ja!». Sie kramte in Unterlagen und legte ihm in einer etwas zu leichten Bewegung eine Willkommenskarte und ein Plastikbeutelchen hin, in welchem sich zwei Schlüssel befanden. Sie nickte wieder und wünsche ihm einen schönen ersten Arbeitstag. Er räusperte sich und fragte, wohin er denn nun gehen müsse? Sie zuckte die Schultern und sagte nun: «Das müssen sie ihren Vorgesetzten fragen.»


Kommentare