Kritik aus der Mottenkiste
- Caspar Reimer
- 13. Aug.
- 1 Min. Lesezeit
Die Kritik an der Verwertbarkeit des Menschen durch Kapitalinteressen gilt als verstaubt. Wer hierzulande von Klassengesellschaft spricht oder den Begriff Kapital politisch pejorativ verwendet, den spottet oder schimpft man Marxisten, einen Ewiggestrigen, einen, der nicht verstanden hat, dass 1922-1991 gescheitert ist. Man könnte entgegnen, dass die Spaltung der Menschen in die Wenigen, die besitzen, und die Vielen, die versklavt werden, wesentlich älter ist als das sowjetische Strohfeuer; und dass es deshalb weiter angebracht ist, am Kapitalismus Kritik zu üben. Stattdessen hacken die privilegierten Sklaven auf die weniger privilegierten – man mag dem Flüchtling das ÖV-Abo, das er bezahlt bekommt, damit er sich hierzulande bewegen kann, partout nicht gönnen und lässt sich zugleich, um leben zu können, brav durchs Hamsterrad jagen. Gewiss kann man Glück haben, eine Arbeit finden, die mit dem Leben im Einklang steht. Es kann einem so gut gehen, dass man gar vergisst, dass es letztlich nur um Wertschöpfung für die Mächtigen geht. Wer’s hingegen verbockt, hat Schuld und wird froh sein, wenn die Tortour vorüber ist.
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