Phantome
- Daniel Costantino

- vor 1 Tag
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Muss Literatur politisch sein? Sie sei es sowieso, antwortet die Autorin Mithu Sanyal. Eine Literatur sei entweder bewusst oder „einfach nur so“ politisch. Denn Politik sei eine weder aus dem Leben noch aus Geschichten wegzudenkende Dimension.
Gut. Dann ist natürlich auch die Beschreibung einer Bananenschale auf dem Trottoir politisch. Und vom Niedergang der Linken zu berichten, würde sich von einem Versuch über die Eisdiele in nichts unterscheiden. Ist jede Literatur und sowieso alles im Leben politisch, hat das Wort seinen Sinn vollkommen verloren.
Vom Denken frei, vom Chatbot voll. Wie kann ein Copypaste-Redaktor wissen, was eine KI behauptet und ein Hirn in der Gegenspiegelung halluziniert? Was wird seinen Nachrichtenjunkie interessieren ausser dem Stoff, den eine Bettdecke hergibt? Instinkt macht die Quote, das bleibt. Und die Aufklärung auch. Sobald er nämlich die Bettdecke lupft.
Der Drückeberger, vaterlandslos, sich selbst für alles zu schade - welch ein Schreckbild der bürgerlichen Ordnung! Von den Haudegen an die Wand gemalt, wenn die Lage wiedermal ernst ist wie nie. Immer trägt er die Schuld an der Schrumpfung des Truppenbestands. Vom letzten Schattenboxen, noch während des langen Kalten Kriegs, ist er psychisch angezählt, ohne völlig untergegangen zu sein. Haudegen trug den Punktsieg über den fliehenden Schatten davon.
Nun fängt der nächste Boxmätch an. Haudegen hat den Drückeberger im Zivildienst entdeckt und dessen freies Gewissen gewittert, kaum mehr als ein Dunst. Kampfrichter wird wieder der Truppenarzt sein.
Nicht der Andere zu sein, kann befreien. Frei machen für sich selbst.
Die sonnigen Tage schleppen sich hin. Doch die Zeit vergeht wie im Flug.
Entenfüttern bei Hitzewelle am Teich. Krumen um Krumen Brot in eine Zeitung gepackt. Zehitze ein Fetzen Zeitung fliegt mit. Zewellt eine Flocke wie Floskeln den Teich, Schlagzeilen stopfen den Entenhals und kriegen ihn dennoch nicht voll. Zewelle zehitzt. Ein Starlett rutscht mit in den Schlund.
Eine moderne Ballettaufführung vor Jahrzehnten. Ich weiss noch, dass sich mir die gesellschaftlichen Normen wie als Persiflage drin spiegelten. Die Tänzer markierten die Machos, die Tänzerinnen gaben sich preis wie laszive Puppen. Wollte der Choreograph provozieren? Das Publikum im guten Tuch trank Sekt in der Pause, ass Häppchen dazu und stiess sich an nichts.
Nie wieder habe ich ein Ballett besucht.
> Ich hör schon das Gras wachsen, in welches ich beissen werd. <
Nestroy
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