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Reflexe

Aktualisiert: 17. Juni 2021

Es sagt sich sehr leicht und hohl dahin, die Demokratie sei das beste aller politischen und gesellschaftlichen Systeme, wer wüsste schon zu widersprechen. Strahlend erst wie ein Plakat von der Litfasssäule, verliert der Slogan in der täglichen Ausmarchung von oben und unten schnell an Glanz und schmeckt bald wie die abgestandene Weisheit vom Lehrer, der immer recht hat. Nur lächelt keiner.


Man frage die Schwadroneure übungshalber einmal nach all den andern Systemen. Man wird kaum mehr als die Diktatur zur Antwort bekommen. Da kann man gleich sagen, friss oder stirb.


Aber das meiste, was wir so äussern den lieben langen Tag, geben wir automatisch von uns, auf Knopfdruck wie ein mit allem Möglichen gefütterter Apparat. Wir halten es für unser Eigenes, als wäre es unser Atem, bloss weil wir uns selbst dabei spüren und erleben. Wir reflektieren manchmal sogar, aber wir reflektieren in der andern Bedeutung des Worts, nicht in prüfender Betrachtung, sondern gewissermassen widerspiegelnd und selbstreferentiell, indem wir uns einfach unserer mechanischer Regungen und Zuckungen vergewissern.


Fast lässt sich sagen, je mehr alles durch uns hindurchgeht und wir nicht die Urheber unserer Gedanken sind, desto mehr halten wir sie für etwas ganz Natürliches und Persönliches. Und desto weniger fühlen wir uns dafür verantwortlich.


So halten Hirten und Schafe ihren Glauben in allem Ernst für friedlich, und ein Rassist kann ehrlich behaupten, keiner zu sein.



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