Situationen
- Roland Müller
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Digital (oder auch nicht)
KI
Wie kann man die Suchergebnisse einer KI von menschlichen Gedanken unterscheiden? Und wer oder was entschiede allenfalls darüber, ob die Unterscheidung gelungen ist?
Was wir aber schon mal sagen können: Keine Suchmaschine ist auf dieselbe Weise intelligent wie unsereins... wie wir untereinander. Mit derselben aparten Unschärfe.
(Mai 2022)
Man wollte schon immer (etwas) wissen. Schlug nach, fragte nach. Die Antworten kamen oder kamen nicht. Das Wissen blieb unvollständig, einerseits sowieso, andererseits bezüglich der aufgeworfenen Fragen. Wissen war lückenhaft, ja: Wissen war das Ding mit den Lücken. Man wusste sich aber stets zu helfen.
Niemand von all denen, die einem begegnen, weiss genau dasselbe. Schön, trifft man sich.
(April 2016)
Ich werde mich wohl niemals ganz ans Digitale gewöhnen, ich meine, nicht so, wie man sich ehemals an Änderungen der lebensweltlichen Umgebungen gewöhnte. Weil damals das Neuere dem Älteren immer noch irgendwie ähnlich sah.
(Januar 2019)
Es ist nicht halsstarrig, wenn man nicht bis über beide Ohren im digitalen Zeug drin steckt, wenn man die letzten Reste des Einzelnen geltend macht.
Man bringt Briefe zur Post, zählt Bargeld ab und weiss vielleicht einmal nicht, wann das nächste Postauto fährt.
(September 2018)
Wie ist bloss mit einem umzugehen, für den die virtuelle Welt nicht die umgreifende Lebensform geworden ist, der den „Rechner“ als Gegenstand unter anderen sieht? Als Angebot, von Fall zu Fall zu nutzen, wohl wissend, dass, in dieser Sache von Angebot zu sprechen, einen verrät, der nicht so genau weiss, wovon er redet.
(Oktober 2018)
Die meisten Leute nutzen ihr Handy intensiv, und dieses Verhalten fast aller verliert allmählich seine Auffälligkeit.
Das Ding ist einfach immer dabei und liegt meist schon in der Hand, bevor es als „Zuhandenes“ gebraucht wird. Man ist dauernd in Erwartung, als drohe Gefahr bei Unaufmerksamkeit: Auf Umwegen zurück zum Instinkt.
(September 2018)
Ein angesagter Ort dient als Hintergrund für den Kopf irgendeines Menschenkindes - und das Bild geht um die Welt.
Zugegeben, auch wir Alten liessen uns auf Reisen ablichten, vor irgendwas, aber das Irgendwas hatte irgendwas mit uns, mit dieser besonderen Reise zu tun. Und die gesammelten Fotos (Photos) blieben unter sich.
(Juli 2023)
Wie sähe wohl ein Don Quijote unserer Zeit aus, der auszöge, das Internet zu bekämpfen? Ich meine: Womit müsste er wohl „hantieren“, um lächerlich genug auszusehen?
(Oktober 2019)
Das Telephon schlägt an.
Früher hatte es laut und redlich geläutet oder geschellt... ganz hinten im dunklen Korridor, wo auch das lokale Telephonverzeichnis an einem Nagel hing - hat also geschellt, dieser schwarze Kasten, bis jemand hingegangen ist und abgehoben hat.
Und dann begann das Gespräch, beinahe wie ein Ereignis.
Inzwischen haben wir uns an die überall erklingenden Töne gewöhnt. Und an die ständige Gesprächsbereitschaft, als wären die Leute dauernd im Dienst.
(Juli 2022)
Tonbandkassetten
Tonbandkassetten, eigens für mich überspielt, aber auch Schallplatten und Compact Discs (mit Widmung und Gruss) sind Erinnerungen wie Photos (mit „ph“). Was virtuell daherkommt, ist einfach bloss übermittelt: Der Absender hat einen Augenblick an dich gedacht. Es gibt hier einen Unterschied, analog (!) dem zwischen Freunden und freundlichen Geistern.
Wer nicht bloss mit Daten gefüttert werden möchte, wem weiterhin der Austausch von echten Dingen lieb ist, wird es in Zukunft schwer haben. Die im Analogen Verbliebenen gleichen Leuten im Altbau, denen die Zwangsräumung droht.
(August 2017)
Korrekt (oder auch nicht)
Eine Behörde beschliesst bei der Neubesetzung einer Stelle, falls ein Mann und eine Frau die gleiche Qualifikation hätten, der Frau den Vorrang zu geben.
Also eigentlich in jedem Fall der Frau.
Denn Qualifikation heisst hier doch wohl „Eignung“, reduziert auf blosses Genügen, das vom Frausein überhöht wird.
(Oktober 2020)
Geschlechtergerechte Sprache
Der Zwang zum „geschlechtergerechten“ Reden und Schreiben, also wenn von einem die Rede ist, das andere explizit mit zu erwähnen, bringt Unruhe in den Gang der Gedanken und verscheucht die Pointen.
Man denkt sich doch nicht immer alles paarweise.
(Februar 2021)
Ökonomie des Erzählens
Wenn irgendetwas Gültiges in knappen Zügen und ausserdem vielleicht auch noch schön und witzig erzählt werden soll, gibt’s keine Musse zum Gendern.
(Mai 2021)
„Und“
Wenn ich diese Konjunktion „traditionellerweise“ verwende, möchte ich zu dem einen ein anderes hinzufügen und nicht bloss ein irgendwie Mitgemeintes aufwertend mitführen, mitschleppen - wie einen schlechten Läufer im Wettkampf.
Also: „Schüler und Schülerinnen“ sind ja im dahinfliessenden Text über etwas Schülerhaftes nicht als zweierlei gedacht.
(März 2000)



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