Ziele setzen, Wege finden
- Daniel Costantino
- 29. Okt.
- 2 Min. Lesezeit
Strategien gegen die Armut
Die deutsche SPD, das eigenartige Surrogat eines Sozialismus, der den Reichtum ehrt und die Armut vermehrt, will jetzt das Mülltauchen in Deutschland erlauben. Es soll nicht mehr Diebstahl, sondern Rettung von Lebensmitteln heissen, wenn Rentner am Stock in den Containern von Supermärkten nach Essensresten wühlen. „Jedes gerettete Lebensmittel ist ein wertvoller Beitrag zur Ressourcenschonung und zur sozialen Gerechtigkeit“, hat der Fraktionsvize im Bundestag, Esra Limbacher, zum drängenden Thema nämlich verkündet. Ein kluger Schachzug! Wenn die soziale Gleichstellung der Lebensmittel endlich Schule macht, wäre der am längsten von der CDU geführten Regierungspartei Deutschlands zwar noch nicht die Rettung der Armen, aber nach 135 Jahren ihres Bestehens doch immerhin die Legalisierung der Armut gelungen.
„Ziele setzen, Wege finden, Menschen mitnehmen“ - wer die Homepage der Regula Rytz besucht, dem schlägt ihr Motto wie einst ihr Schlachtruf beim Sturm aufs Stöckli und aufs Bundesratszimmer entgegen, als sie an beiden Fronten den Kürzeren zog. Auch Präsidentin der Grünen Schweiz ist sie seither nicht mehr. Eigentlich schade, denn als Speerspitze der European Greens steckt sie immer noch tief in den politischen Gräben. Furchtlos hält sie den Brüsseler Rechten in der Workzeitung eine neue Umfrage entgegen, nach der in Rumänien das Armutsrisiko und in Griechenland sogar die Armut schon wachse. Und balgt sich mit ihnen „hartnäckig und zäh um jeden kleinen Fortschritt.“ Bis zum „Bereich Wohnen“ robbt sie sich an den Gegner heran, allwoher sie vermeldet, in Brüssel würden nun neue Modelle der Wohnbauförderung geprüft. Doch doch, man kann spüren, wie tapfer sie sich für das riesige, aber schlecht gerüstete Heer der Obdachlosen Europas in die Bresche schlägt. „Schleifen, feilen und dicke Bretter bohren“ - oder: do it yourself, das ist dabei ihre bewährte Taktik.
Der Eidgenosse als solcher kommt nur selten auf seine Kosten. Jetzt bricht ihm auch noch der Tod einer Königin das weltoffene Herz. Sirikit von Thailand, „Mutter der Nation“ seit Menschengedenken, ist nicht mehr. Welch eine Hiobsbotschaft aus der Ferne! Wer wird die Armen jetzt speisen so warmherzig wie sie? In ihren elenden Fischerhütten besuchen, und zu Füssen liegen sie ihr? In schönen Palästen noch wohnen mit Türmen aus lauterem Gold? Fassungslos legt er die Zeitung beiseite und schluchzt. Nur im Märchen kommt ein Kamel in den Himmel. Aber durch das Nadelöhr der helvetischen Presse, das ist ihm ein Trost, winkt ihm jetzt von dort oben eine strahlende Sirikit zu.
Indessen hat sich Deutschlands Sonntagskanzler mit seinen Töchtern ins Vernehmen gesetzt und ganz der Renovierung des deutschen Stadtbilds verschrieben. Nicht den Bettlern und Obdachlosen, die auf der Strasse stehen, gilt dabei sein Interesse, die gehören zu Deutschlands historischer Authentizität. Es geht ihm um Eingriffe sozusagen wiederherstellend-chirurgischer Art. Eine deutsche Stadt soll ihr weisses deutsches Gesicht wieder zeigen dürfen. Und darum macht sich Friedrich Merz auf das Zureden seiner Töchter entschlossen daran, endlich die alten Brandmauern gegen die AfD niederzureissen.
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