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Zitat und Zutat

Die Schweiz ist die bestorganisierte Anarchie des Abendlandes, meint die Frankfurter Allgemeine. Der allgemeine Leser wird darin einen Widerspruch finden, er versteht unter Anarchie Chaos und Gewalt. Der helvetische Leser, wenn er Patriot ist, energisch nicken und einen Wilhelm Tell in sich spüren. Und einen dritten mag es geben, der über die Frankfurter Allgemeine lacht.


Eine Sentenz Friedrich Rückerts:


Der Adler fliegt allein; der Rabe scharenweise. Gesellschaft braucht der Tor, und Einsamkeit der Weise.


Wäre nicht diese Umkehrung viel besser:


Gesellschaft braucht der Tor, und Einsamkeit der Weise;

Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise.


Während im Original die zweite Zeile an Gewicht verliert, gewinnt sie hier alles. Bei Rückert verpufft die zweite Zeile, weil die Metapher der ersten schon den Hauptgedanken trägt. Wie die Sentenz zu seiner Zeit gewirkt haben mag, kann ich allerdings nicht entscheiden. Man spricht heute so viel von der Einsamkeit des Denkers und davon, wie Denken einsam mache und Ähnliches mehr, dass längst eine Binse draus geworden ist. Dem wäre mit dem Gedankenstrich statt eines Punkts wohl Rechnung getragen. Ihr das schöne Bild vom Adler und der Rabenschar nachzusetzen, wäre heute gewiss die eigentliche gedankliche Leistung. Denker, sage ich, weil sich die Einsamkeit des Weisen, jedenfalls im heutigen Deutsch, etwas merkwürdig ausnimmt. Aber was wäre die Sentenz noch wert ohne den Reim?


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