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Europapreis für politische Kultur


Europapreis für politische Kultur

80 Jahre Hiroshima und Nagasaki


Die Hans Ringier Stiftung ehrt Adolf Muschg in Ascona mit dem Europapreis für politische Kultur. Das hat sie auch mit Tusk, mit Juncker, mit Steinmeier und Schäuble schon getan. Und mit Draghi. Und mit Sloterdijk, dem auch der Reimerblog schon gehuldigt hat. Stiftungspräsident Frank A. Meyer stösst ins grosse Horn: Es werde mit dem Dichter Muschg zum ersten Mal ein Schweizer geehrt,

 

„der unser Land immer wieder an seine Lebenswirklichkeit mitten in Europa erinnert″.

Das Horn ist noch etwas verstaubt. Meyer phrasiert stärker:

 

„Adolf Muschg steht mit seinem Lebenswerk für all die Werte, die wir erneut zu verteidigen haben – für die europäische Freiheitskultur.″

Nun ist der Staub aus dem Horn und der Ton gesetzt. Es darf der Literaturkritiker Andreas Isenschmid ans Instrument:

 

„Muschgs Europäertum ist keins der Einheit und Synthese, wie sie heute allenthalben gefordert werden, auch keins einer forcierten europäischen Identität. Gegen Identität ist Muschg allergisch, er setzt gegen sie die Aporie, die Spannung und den produktiven Konflikt. Für eine europäische Vertiefung ist er indes zu haben, allerdings keine bürokratische, sondern eine mit Blick auf die geschichtliche, letztlich antike Tiefe, auf die sich eine neue europäische Erzählung beziehen müsste.″

So gelingen die Phrasen. Auch Muschgs Laudator erweist sich als Dichter. Ein Blick in die antike Tiefe und eine schöne Allegorie mit Allergie und Aporie und dem produktiven Konflikt - das ist die wahre Verbindung der Moderne mit der Vertiefung! Nichts da forcierte Identität - Bezug auf die europäische Erzählung! Oder eben, wie Meyer schon sagt: Werte verteidigen, Freiheitskultur!

So ist es recht. Trari!

 

Dazu ein Gruppenfoto mit besagten Herren, einem Ministerpräsidenten, einer Vizepräsidentin, zwei Gattinnen und - guguseli - mittendrin Ignazio Cassis, dem schweizerischen Aussenminister. Da ist er also abgeblieben in der ganzen Washingtoner Zollhammerzeit. Im schönen Ascona. Vielleicht käme er selber für den Europapreis einmal in Frage? Phrasendreschen kann der auch.

Nicht dass er noch anfängt, sich in aussenpolitische Angelegenheiten zu mischen! Das triebe bestimmt die amerikanischen Zölle noch einmal um das Doppelte in die Höhe. Trara!


Vom Inferno zum Friedenssymbol heisst dieser Tage eine Ausstellung in München und thematisiert die Atombombenabwürfe von Hisoshima und Nagasaki. Swr Kultur schreibt: Der bislang einzige Einsatz von Atomwaffen in einem Krieg bleibe bis heute, 80 Jahre später, kaum vorstellbar. Eine etwas sonderbare Formulierung.

Überhaupt haben an den Stichtagen weltweit die christlichen Glocken Frieden geläutet. Ich möchte mein Scherflein dazu beitragen, nämlich ein Gebet im Gedenken des Atombombenabwurfs von Nagasaki. Gebetet wurde es am 9. August 1945:

 

> Allmächtiger Gott, Vater der Gnade, wir bitten Dich, Deine Gnade den Männern zuteil werden zu lassen, die in dieser Nacht fliegen werden. Hüte und beschütze diejenigen unter uns, die sich in die Finsternis Deines Himmels wagen werden. Führe sie auf Deinen Schwingen. Schütze ihre Körper und ihre Seele und bringe sie zu uns zurück. Gib uns allen Mut und Kraft für die Stunden, die vor uns liegen; und belohne sie ihren Bemühungen entsprechend. Vor allem aber, mein Vater, schenke Deiner Welt den Frieden. Laß uns unsern Weg gehen im Vertrauen auf Dich und im Wissen, daß Du uns nun und für alle Ewigkeit gegenwärtig bist. Amen. <

 

Die Befehlsausgabe zum Atombombenabwurf über Nagasaki endete mit diesem Gebet des amerikanischen Feldgeistlichen Oberst William B. Downey. So wurden also die Atombombenschmeisser auf den Weg geschickt. Die Kirchen sind eben zurstelle, wenn die Welt nach Frieden dürstet.

Gefunden bei: Peter Bürger, Hiroshima, der Krieg und die Christen, 2005 Düsseldorf.

 

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