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Zu Fernsehkrimis
Die in Krimis Involvierten sind (meistens) nicht von Natur aus mörderisch oder auch nur interessant in irgendeiner Weise. Es sind sozusagen Passanten, die Verdacht erregen. In der zur Verfügung stehenden Filmdauer, also in aller Eile, werden sie, sozusagen rückwärts in der Zeit, zu Tätern präpariert. (Februar 2013) Man lässt sich von Krimis unterhalten. Und je mehr Tode, desto weniger gehen sie einen an. Und d e r Tod im ausserunterhaltungsmässigen Sinne wird nicht
Roland Müller
vor 19 Stunden2 Min. Lesezeit
Das Schachbrett des Wahnsinns
Wenn er schreibt, treibt ihn die Schwulst, wenn er spricht, sticht ihn der Hafer. Auch da dreht er auf, Sprechen als Vorstufe zum Schreiben. Den Werterhalt des Vermögens schützen, sagt er etwa. Und wie er den Erhalt schützt statt der Sache selbst, führt er einen Dialog ohne zu sprechen, ohne ihn auszusprechen, heisst das: einen „unausgesprochenen Dialog mit dem Publikum“. Man könne nicht einfach nur an der Oberfläche herumsurfen, redet er weiter, man müsse sich grundsätzliche
Daniel Costantino
vor 20 Stunden4 Min. Lesezeit
Notizen 12
KI Die KI generiert Texte, Bilder und Musik. In Sekundenschnelle. Ich gehöre noch zu jenen, die Artikel für die Zeitung quasi von Hand schreiben. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Wendung für Wendung, Satz für Satz. Ich gebe mir Mühe und fühle mich schlau dabei. Das hat etwas Rührendes und Lächerliches zugleich. «Einen Artikel schreiben? Ha! Wie peinlich ist das denn! Ey Alter, wach auf!» Ich spiele gern mit dem Feuer: Neulich hatte ich eigene Texte der KI zur Interpret
Caspar Reimer
vor 22 Stunden2 Min. Lesezeit


Sonntagsspazier
Wer Georg Kreisler kennt, weiss: Es soll sich schon einer nach dem Sonntagsspaziergang erhängt haben. Einfach so, weil Sonntagsspazier war. Ich persönlich mochte Sonntage nie besonders. Das liegt übrigens nicht am Montag, der folgt. Vielmehr scheint mir, als läge am Sonntag etwas bar, was zwischen Montag und Samstag verdeckt ist. Während der Woche muss – wo kämen wir hin? – Geld generiert werden. Samstag Shoppingmeile. Und am Sonntag soll man sich… davon erholen? Für mich hat
Caspar Reimer
6. Mai2 Min. Lesezeit
Die Pandemie
Aus dem Corona-Tagebuch „Es handelt sich um einen Abgrund, für dessen Ernst es keine verlässlichen Zahlen - und schon gar keine Worte gibt...“ (Hans Ulrich Gumbrecht) Die Pandemie vereinzelt tendenziell jeden, nimmt ihm aber explizit die Qualität des Einzelseins... als Einzelner zu handeln. (14.12.21) Es ist kaum sagbar, was das Virus (verstörender Singular!) mit uns macht. Es umtanzt (verstörendes Verb!) alle Massnahmen. Gefährlicher aber al
Roland Müller
6. Mai2 Min. Lesezeit
Der Sonntag
Am Sonntag sitzt die Familie heil in der blanken Wohnung. Die Unbill der Arbeit und die Fetzen des Alltags hat der Staubsauger geschluckt. Alles ist gut, die Miete bezahlt. Man zeigt der Welt eine zugängliche Miene und sitzt im Kunstleder und kaut Chips. Der schöne Perser blüht und die Stubenfliege summt. Einer steht auf und geht aufs Klo und schlurft zum Leder zurück. Die Familie sitzt vorm Kasten wie ihre pelzigen Vorfahren ums Feuer. Allerlei Fabeln und Mären machen die
Daniel Costantino
6. Mai2 Min. Lesezeit


Reden
Als kämen die Stimmen aus einer anderen Welt. Aus einer Plauderwelt. Plüsch, Flip und Plopp. Mit ihrem Mann habe sie den Garten gemacht. Wie könne man anders bei dem schönen Wetter? Ich pflichtete bei, es stimme, das Wetter ziehe einen förmlich nach draussen. Sie stutzte unmerklich, ging aber nicht auf mich ein, sondern fuhr weiter: Ihr Mann habe es in den Knien, weshalb sie statt er auf die Leiter stieg, um das Gestrüpp himmelwärts zu schneiden. Und wie heiss es schon gewese
Caspar Reimer
29. Apr.3 Min. Lesezeit
Situationen
Digital (oder auch nicht) KI Wie kann man die Suchergebnisse einer KI von menschlichen Gedanken unterscheiden? Und wer oder was entschiede allenfalls darüber, ob die Unterscheidung gelungen ist? Was wir aber schon mal sagen können: Keine Suchmaschine ist auf dieselbe Weise intelligent wie unsereins... wie wir untereinander. Mit derselben aparten Unschärfe. (Mai 2022) Man wollte schon immer (etwas) wissen. Schlug nach, fragte nach. Die Antworten kamen o
Roland Müller
29. Apr.3 Min. Lesezeit
Die Befreiung (Teil 3)
III Er schlief viel, zu einer Felswand gehauen, Kuppen im Nebel, schlanken Tiaren. Durch seinen schrattigen Leib rannen die Träume, melodische Skalen, er lauschte dem silbernen Grund. Nachts oder tags erschienen in Rudeln die Seinen, drängende Schatten, Mollusken, eine Pranke tätschte einmal auf ihn, zerschlug das Silber im Grund, in faden Schlieren spie er es aus, die Tiaren donnerten nieder, er, Fels, brach unter grässlichen Skalen zusammen. Das Rudel schrieb ihn drei Tag
Daniel Costantino
29. Apr.3 Min. Lesezeit
Betrachtungen 4
Haltestelle An der Tramhaltestelle Helvetiaplatz klopft von aussen ein ehemaliger Nachbar an die Scheibe, hinter der ich sitze, gestikuliert heftig, und ich weiss sofort, was er fragt: Wie geht es dir? Und ich gestikuliere zurück: gut, gut! Und zwei Haltestellen weiter sind meine Hände immer noch nicht ganz ruhig. (Juli 1998) Haltestelle Sie hat Mühe beim Gehen, diese etwas üppige ältere Dame in ihrem gemusterten Sommerkleid von Vögele, aus dessen ku
Roland Müller
22. Apr.2 Min. Lesezeit
Die Befreiung (Teil 2)
II Eine Zone am Rande der Stadt, Transit und Umschlag, Eisenbahnböschung, Lokalindustrie, Gerüste aus Stahl und gläserne Verwaltungskomplexe, Mülldeponien, Häuserfluchten von Regengüssen gezeichnet und schrägen russigen Schatten, schwere, durch den Korridor schnaufende Laster, Taxis, die über die Schwellen der Trasse klatschen, Linienbusse stadtauswärts und Kastenwagen auf dem Weg zu verzweigten Autobahnen, Blechdach auf Blechdach hinausgespült die kleinen Fahrzeuge in der
Daniel Costantino
22. Apr.4 Min. Lesezeit


Bewerbungsschimmel und Phrasendrescher
Ich habe mich durchgemogelt. Irgendeiner fand sich immer, der mich einstellte. Und dies, obschon meine Bewerbung wirklich abgefickt war. Es haftete ihr etwas Modriges an. Sie gaukelte eine Lebenslinie vor, wo es keine gab. Ich log gewiss nicht, aber glaubte meinen eigenen Zeilen längst nicht mehr. Man könnte einwenden, es liege im Wesen der Bewerbung, auf gekonnte Weise Phrasen zu dreschen. Die Menschen stehen auf Stromlinienförmiges. Und es gibt in einer Bewerbung tatsächlic
Caspar Reimer
15. Apr.2 Min. Lesezeit
Betrachtungen 3
Kneipe In Erwartung des nächsten Biers zeigt sich die Zufriedenheit mit dem Leben in einfachster, schönster Form. Man trinkt und redet, und die belanglose Rede wird nicht von solcher unterschieden, die aufhorchen lassen müsste, wenn sie andernorts gesagt würde. (Mai 2018) Der Stammtisch ist das Miliöh, in dem man in der falschen Gemütlichkeit nach Feierabend verkauzt. (Juni 2018) Gartenwirtschaft Nein, es stört mich gar nicht, dass es in
Roland Müller
15. Apr.5 Min. Lesezeit
Die Befreiung (Teil 1)
I Als er seinen verhassten Schüler weder mit üblen Manieren, Schelten, Niedermachen, noch durch ständige Verteuerung der Lektion hatte loswerden können, bestellte ihn der Alte eines Morgens zu frühster Stunde ins Haus und lockte ihn, da der Jüngling mit scheuem Lächeln pünktlich vor ihm erschien, unter dem Vorwand eines Sonnenspektakels aufs Dach, liess ihn vom Estrichboden die Luke mit einem Stecken aufstossen und schwang sich hinter ihm her auf die hohe Terrasse. Sie stan
Daniel Costantino
15. Apr.2 Min. Lesezeit
An der Welt leiden
Wer sich an Bratwurst und Kartoffelsalat zu erfreuen weiss, steht mit beiden Füssen im Leben. Oder ist er doch schon halb tot? Ich schrieb einmal, wie mir gerade in den Sinn kommt, das Leben sei eine Aneinanderreihung von Zuständen. Bei mir zeigt sich das ausgeprägt, ist zuweilen anstrengend. Oder letzte Woche berichtete ich von den Bruchstücken, aus denen mein Leben besteht – jedes für sich mit eigenem Empfinden. Für welchen Zustand also steht die Bratwurst mit dem Kartoffel
Caspar Reimer
8. Apr.3 Min. Lesezeit
Betrachtungen 2
Balkon Der Wohnselige: Er kommt kaum noch weiter als bis zum Balkon. Doch, sagt er, noch höre er den Ruf der Ferne, er sei ja nicht taub. (2013) Nichts passt besser zu „Balkon“ als „einfach nur dasitzen“. Heute Abend Gewitter mit feinem Regen. Und dazu mein unbestimmter Blick, der einfach nur bei diesem Wetter ist - wie... wie das Wort bei Gott, denke ich, leicht schläfrig geworden. (2013) Ein junges Paar geht vor dem Haus vorüber. Er greift nac
Roland Müller
8. Apr.2 Min. Lesezeit
flucht
plötzlich war da ein loch in der höh durch das der himmel fiel ein blaues loch in der nacht war da ein loch durch das der himmel fiel aus der höh ein blaues loch in der nacht in schwarzer nacht ein blaues loch durch das der himmel fiel aus dem ein engel fiel und vor ihm niederfiel die nacht war jetzt blau wozu bist du gekommen gefallener engel wozu bist du gekommen der engel war schön die nacht war jetzt blau je m’enfuis je m’enfuis krächzte der engel aus einer ge
Daniel Costantino
8. Apr.2 Min. Lesezeit


Die Existenz und der Kartoffelsalat
Manchmal droht mir die Existenz, den Verstand zu rauben. Das ist übrigens nicht unangenehm, im Gegenteil, ich liebe es sogar. Ich gehe einfach hinaus, ohne Wort, Abmachung und Ziel. Gleich neben meiner Wohnung beginnt ein Weg, der mich entlang der Bahntrasse über die Landesgrenze hinausführt. Freilich gibt’s nichts zu sehen und trotzdem scheint es, als ziehe mich etwas dorthin. Ob es das kosmische Hintergrundrauschen ist, das ich manchmal zu hören wähne? Ich schwöre darauf: D
Caspar Reimer
1. Apr.1 Min. Lesezeit
Betrachtungen 1
Ankommen Es behagt mir nicht, als Erster zum Fest zu kommen (stimmen Ort und Zeit?), aber genauso wenig, zur bereits versammelten Runde zu stossen (habe ich etwas versäumt?). Am liebsten ist es mir, wenn schon jemand da ist, der Zweite eben ankommt und ich, sozusagen in seinem Schatten, auftauche: knapp nicht Zweiter, die Aufmerksamkeit ist geteilt. (März 2013) Nicht allein Es kommt schon vor, dass ich mir wünsche, nicht alleine zu leben, und dabei so Vo
Roland Müller
1. Apr.2 Min. Lesezeit
Deus vult
Auf einem einzigen Drillingsgott lastet viel, lasten, je mehr man ihn feiert, Schicksalsschlag und Kirchentag, Richteramt und Golgatha, bis zur recht weltlichen Aufgabe, seinen Jüngern unter dem Zeichen des Kreuzes einen Elfmeter in ein gerechtes Tor zu verwandeln. Er ist zum Siegen da, zum Strafen da, zum Trösten da. Und wenn es ums Totschlagen der Feinde geht, dann speien seine hohen Verkünder diesseits und jenseits der Front dem Soldaten dreimal kräftig über die Schulter.
Daniel Costantino
1. Apr.3 Min. Lesezeit
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Fotos: www.pixabay.com
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