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Schreiben, wozu?
Es gibt Menschen, die schreiben. Einfach so. Jener, der sich dazu bekennt, erntet nicht selten Ratlosigkeit: «Du schreibst? Aha… und was machst du sonst noch?» Besser ergeht es dem Zeitungsschreiber. Seine Zeilen füttern die Demokratie. Der Journalist schreibt für den höheren Zweck und Kontostand. Er muss nicht fragen wozu, trägt er doch die Bürde der vierten Gewalt und, wenn’s hochkommt, zeitigt seine Arbeit Früchte für alle: Ist dieser Politiker noch tragbar? Nein, ist er n
Caspar Reimer
vor 35 Minuten1 Min. Lesezeit
Tod & Auferstehung
Wenn mal wieder ein Bekannter gestorben ist, hat man oft so alberne Gedanken wie „hat’s nun also den erwischt“, als wäre er in einer von wem auch immer erstellten Todesreihenfolge vor mir platziert worden. Oder als gäbe es diesen Tod wirklich, der da umhergeht und einsammelt. Natürlich kommen solche Gedanken mit nur halbem Ernst auf, und sie haben auch etwas Schelmisches an sich, das die Nachdenklichkeit verbietet und auch den geforderten vollen Ernst, der dem Tod sein böser
Roland Müller
vor 1 Stunde2 Min. Lesezeit
papa goll und mamma goll
papa goll und mamma goll sind onkel und tante haben sich lieb mamma goll und papa goll fauchen kette aba haben sich lieb sind asso zia zio fauchen kette aba haben sich lieb zio zia ! erst faucht zio dann faucht zia dann faucht asso das ist der hund zio zigoll zia zigall zia tigall zio tigoll asso ziahat an der leine soll man lachen oder weinen? faucht papa groll faucht mamma gall und asso faucht auch faucht mamma gall faucht papa groll bis asso stirbt frisst und

Daniel Costantino
vor 1 Stunde1 Min. Lesezeit
O du Holde
Manchem Künstler, dem Geld gilt, hängt an geperlten Frauenkrawatten das Glück und sein Tao, mediterraner Balkon, Krux des Künstlerdorfs schwankendem Fels, o taumelnder Topf, Spritzer hoch der suppenen Küste. Sonne du tägliches dreigestrichenes C. Klipp klapp. Wer Kunst sagt, ist Kunst. Ist Himmelstor Kunst, fix und rezept. Ihr Aufgang im Rauschen der Automobile. Raben maledeien den Morgen, die Orgien des Traums, kreischende Körper Samengesang oder Genderpendang. Chemie des Mo

Daniel Costantino
vor 7 Tagen1 Min. Lesezeit
Aus dem Archiv 1
Rebell Eine Lebenskraft, die sich aus dem Widerstand gegen die herrschende Ordnung speist, die damit ein grösstmögliches Mass an intellektueller und emotionaler Eigenständigkeit – frei jeder aufgepfropften Identität und Lebensweise – zu erhalten oder zu erreichen versucht, angetrieben vom Trotz, der Widersprache und der Suche nach Erkenntnissen über Welt und Existenz, kommt mit dem Bedürfnis, der Verlorenheit im Leben durch Anpassung an Konventionen vorzubeugen, immer wieder
Caspar Reimer
vor 7 Tagen2 Min. Lesezeit
Notizen 13
Manchmal kitzelt es mich, wieder Politik, das Weltgeschehen aus europäischer Sicht, zu kommentieren. Jedoch lasse ich es bleiben, da es nichts gibt, was nicht schon gesagt worden wäre. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Es soll mir nur keiner mit Jammern kommen! Oder doch: In Deutschland schwimmen die Scharfmacher wieder oben auf. Nein, ich spreche jetzt nicht über die AFD, sondern von einer Elite aus Politik, Wirtschaft und Medien, die das Land auf Kriegskurs trimmt. Als Ausrede d
Caspar Reimer
15. Juli1 Min. Lesezeit
Wunder & Heilige
Wunder kennt man nur vom Hörensagen - Man. (2009) Der Kranke tut gut daran, nicht an ausserordentliche Heilung zu denken. Gewöhnliche (gesunde!) Hoffnung muss ausreichen. Sollte die Heilung wie ein Wunder aussehen, lassen Sie sich von ihrem Arzt beruhigen. (2018) Nichts hindert den Gläubigen daran, in Wundern nichts Kurioses zu sehen. Er kann sogar fest davon überzeugt sein, nicht zum Narren gehalten zu werden. Einem Bekennenden zeigen sich Glaubensinh
Roland Müller
15. Juli2 Min. Lesezeit
summertime
summertime die broker kleben mit den krawatten an den fenstern der wallstreet und hängen am hellichten tag unter manhattans sonne jalousie zwei hirne in einem ich kippe in die wohnung die flasche halbleer das wort für dich heisst liebe dich

Daniel Costantino
15. Juli1 Min. Lesezeit


Barfuss
Man muss sich immer neu erfinden. Das scheint mir der einzige Weg, um der Vorhersehbarkeit, der Monotonie und der Trägheit zu entrinnen. Dieses Vorhaben zeitigt Wunderliches: Neulich habe ich damit angefangen, barfuss Spaziergänge zu unternehmen. Der Rest des Körpers ist in gepflegte Kleidung gehüllt. Dieser stilistische Bruch am unteren Ende sorgt für Irritation bei den Passanten, und mir geht’s gut dabei. Seither sehe ich mich selbst mit anderen Augen, kenne mich gar nicht.
Caspar Reimer
8. Juli1 Min. Lesezeit
Persönlicher Gott; Gebete und Lobpreisungen
Persönlicher Gott „Ich schuf die Welt in ursprünglicher Vollkommenheit“, singt Gott Vater vom Cembalo aus. (2001) Es bleibt eine nicht ganz geheure Vorstellung: Ein Gott, der auf mich (ja mich!) in irgendeiner Form reagiert. (2002) Dass ein Gott mir übel wolle oder gar Gutes tun - welch eine Annahme! Man denkt an Launen. (2006) Gott - diese immer wieder falsch verstandene... Prominenz? (2008) Gebete & Lobpreisungen Er ertappte
Roland Müller
8. Juli1 Min. Lesezeit
günter grass: beim häuten der zwiebel
(2006) auf seite 7, ganz am anfang des ersten kapitels, behauptet grass: 'auf engem raum wurde meine kindheit beendet, als dort, wo ich aufwuchs, an verschiedenen stellen zeitgleich der krieg ausbrach'. er schreibt: 'mit ehernen worten wurde in einer parterrewohnung, die teil eines dreistöckigen miethauses im langfuhrer labesweg war, das ende meiner kinderjahre ausgerufen.' und er sagt: 'sogar die uhrzeit wollte unvergesslich sein.' mit dem ersten satz rennt er natürlich sämt

Daniel Costantino
8. Juli12 Min. Lesezeit
Gott. Annäherungen & Entfernungen
Gott glaubt an seine Schöpfung, ich glaube freundlich zurück. (2008) Wie kann man’s mit Gott halten, gläubig sein? - Wohl, indem man sich als Geschöpf fühlt, fühlen darf. (2019) Der Gläubige bekennt, „im Stande der Gnade zu sein“. Nun braucht es nur noch diese kleine Anstrengung, „als Ebenbild Gottes“ glaubwürdig zu sein. (2014) Der Glaube macht selig. Was es zu gewinnen gibt, ist mehr, als was auf der Hand liegt. (2018) Bist du religiö
Roland Müller
1. Juli1 Min. Lesezeit
Phantome
Muss Literatur politisch sein? Sie sei es sowieso, antwortet die Autorin Mithu Sanyal. Eine Literatur sei entweder bewusst oder „einfach nur so“ politisch. Denn Politik sei eine weder aus dem Leben noch aus Geschichten wegzudenkende Dimension. Gut. Dann ist natürlich auch die Beschreibung einer Bananenschale auf dem Trottoir politisch. Und vom Niedergang der Linken zu berichten, würde sich von einem Versuch über die Eisdiele in nichts unterscheiden. Ist jede Literatur und sow

Daniel Costantino
1. Juli2 Min. Lesezeit
Der Punkt vor dir
Ihm schien, als kreise das Leben seiner Kollegin um einen Punkt, der irgendwo vor ihr auf Schulterhöhe irrlichterte. Sprach sie, streckte sich ihre Nase wie der Schnabel einer Giesskanne zu diesem Punkt hin. Es war einfach, mit ihr auszukommen. Man musste sich nur auf diesen Punkt konzentrieren. Ein Ort, an dem unablässig geplaudert und gelacht wurde, der alle Fröhlichkeit auf sich zog. Schönen wundervollen guten Morgen, lieber Kollege! Hier ist deine liebe Kollegin! Zurückha
Caspar Reimer
24. Juni2 Min. Lesezeit
Jungs
Andreas (Res) Ich möchte ihm mütterlich die zu langen Ärmel umkrempeln. Sie fallen ihm immer wieder über die Hände, während er uns gestikulierend seine klugen Gedanken vorträgt. (Dezember 1981) Andreas (Andi) Bei einem befreundeten Ehepaar treffe ich den überaus hübschen Jungen Andi, der wie ich hier zu Gast ist. Zu dritt sitzen sie auf dem Boden, barfuss, die Hände stützend hinter sich. Und der Vierte, ich, hoch zu Stuhl und immer noch in Schuhen. Ich r
Roland Müller
24. Juni3 Min. Lesezeit
Die Sprachkritik im Hinterhof
Teil III (Schluss) Alles nicht wahr, alles nicht wahr! kreischte es mit einem Mal aus heiserem Munde und so laut, dass sich der Rezensent, der gleich daneben sass, die Ohren zuhielt. Im Widerschein einer Lichtanlage, die sich über der Kellertreppe eingeschaltet hatte und die Szene wie ein Bühnenlicht erhellte, behauptete jemand Unerhörtes und wiederholte es dem Entrüsteten vor aller Augen; dass nämlich seine Nachbarn aus Eritrea Sonntag für Sonntag ihre Kinder einschlössen,

Daniel Costantino
24. Juni5 Min. Lesezeit
Die Heimat in der Heimatlosigkeit
Wer an eine Gemeindeversammlung geht, gehört wohl irgendwie dazu. Ist im Herzen der Gesellschaft angekommen. Oder war schon immer dort. Jener weiss, welche Debatten in den Neunzigern um eine neue Strassenbeleuchtung geführt wurden, wer sich vor zehn Jahren für die Schulraumplanung ausgesprochen hatte und wer dagegen, jener kennt die Geschichte der Fussgängerbrücke beim Kreisel am Dorfeingang, deren Sanierung immer wieder zurückgestellt wurde. Das war eine leidige Geschichte.
Caspar Reimer
17. Juni3 Min. Lesezeit
Träume
„Wenn im Schlaf das Bewusstsein einschlummert, erwacht im Traum die Existenz.“ (Michel Foucault) Träume Sie vervollständigen mich, obwohl von ihnen bei Tage wenig übrig bleibt. Aber sie waren da. Wenn ich nun - einerseits - den Traum im Wachen weitgehend vergesse, so verhält es sich - andererseits - doch so, dass ich mich im Traum auf sonderbare Weise an mich erinnere, oder, überspannt gesagt, meiner gedenke. (Januar 2017) Wo ist der Traum geblieben?
Roland Müller
17. Juni2 Min. Lesezeit
Die Sprachkritik im Hinterhof
Teil II Unschlüssig, ob er entgegnen oder schweigen solle, da sein Gegner jetzt innehielt und sich erschöpft am Tisch aufstützte, langte der Rezensent in seine Jacke, fand dort ein Päckchen Tabak und seine Pfeife vor, legte beides auf den Tisch und führte dann, den andern im Blickwinkel behaltend, die Pfeife zum Päckchen wie eine Schaufel zur Grube, bis sie mit dem ganzen Kopf darin verschwand, und begann sie mit nestelnden Fingern zu stopfen. Doch der Gastgeber, von jemandem

Daniel Costantino
17. Juni5 Min. Lesezeit
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Fotos: www.pixabay.com
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