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Im deutschen Gartenbad
Neulich im Gartenbad zeigte sich das Leben von der versöhnlichen Seite. Eigentlich geschah nichts. Und dieses Nichts war ihm nicht bedrohlich, nein: Die Langeweile nahm ihn bei der Hand und zeigte ihm die Existenz. Ja, so war es. Er hatte keinen Stress: Die meisten Schulden waren abbezahlt und er hatte ein regelmässiges Einkommen. Was will man mehr? Er lag auf dem Rücken, spürte das warme Gras und schnupperte ein Lüftchen, studierte das Grün der Baumkrone und die Muster der V
Caspar Reimer
vor 3 Tagen3 Min. Lesezeit
Über das Schreiben
Das Tagebuch - die Gedankenbrut im melancholischen Nest. (Januar 2012) Ein Wahn: zu glauben, man müsse schreiben (mit der Ahnung einer existenziellen Dringlichkeit). Dabei würde man den Tag auch so ganz ordentlich überstehen. (November 2014) Manche Tage sind so gut, dass jede Notiz über sie ein Makel wäre. (Januar 2000) Das jederzeit Erlösende eines guten Gedankens! (September 2016) Schreiben, immer wieder, ist so etwas wie „an den Ding
Roland Müller
vor 3 Tagen1 Min. Lesezeit
Kratzer mit Rührei
Dass ein Zusammengekratztes, in die strenge Ordnung des Besitzes gezwängt, nach und nach als ein Zusammengehörendes erscheint, nun gut. Aber wie kommts, dass Menschen wie Sklaven in diese Ordnung sich fügen und wie in etwas Unumstössliches schicken? Dass ihnen daraus ein Wohlbefinden erwächst und aus den Besetzten Besessene werden, die für fremden Besitz ihr Blut hergeben, als wäre es das Natürlichste der Welt? Wie kann sichs ihnen gehören dazuzugehören, wenn ihnen garnichts
Daniel Costantino
vor 3 Tagen2 Min. Lesezeit


Zug spielen
Als Kind spielte er manchmal Zug. Dabei gab es keine Modelleisenbahn. Das wollte er gar nicht. Der Zug fuhr in seinem Kopf. Er gab Struktur, Halt und immer etwas zu tun. Ging er mit der Familie zu Berge, legte er sich Route und Fahrplan zurecht, rechnete es so aus, dass Zugfahrt und Wanderung zur gleichen Zeit endeten. Es war die Schöpfung einer Parallelwelt, die es ihm ermöglichte, von der einen Welt, gab es da eine Durststrecke, in die andere zu wechseln. Die Zugfahrten in
Caspar Reimer
20. Mai1 Min. Lesezeit
Beiläufiges zu Kunst und Musik
Alberto Giacometti Habe mir eben einen Film über einen Photographen angeschaut, der im Bergell an die tausend Photos von Tal und Leuten gemacht haben soll. Da kommt natürlich auch Alberto Giacometti ins Bild, der von hier stammt und auch in seiner Pariser Zeit oft hier weilte. Er liess sich dann jeweils von den Dorfkindern Draht bringen, um den herum er mit Gips diese schmalen Figürchen bastelte, die erstaunlicherweise etwas Gelungenes an sich hatten. (Dezember 2013)
Roland Müller
20. Mai2 Min. Lesezeit
Schnipsel für Auge und Ohr
Manches liest man, manches hört man. Vieles Gehörte kriegt man niemals zu lesen. Kann es dann wahr sein? Diese Frage verrät, dass man den Schlingen seiner Erziehung niemals entkommt: Nur auf das, was schwarz auf weiss geschrieben steht, sei Verlass. Was für ein Trugschluss. Und erst recht, nach dieser Entdeckung den Rückschluss zu ziehen, auf das Gehörte sei desto besserer Verlass. Mit der Zeitung, gelogen oder gebogen, stopft man sich zu, bis das Gelesene Schnipsel um Schn
Daniel Costantino
20. Mai2 Min. Lesezeit
Rainer
Rainer, 39, gross gewachsen und stets frisch rasiert, lebt nun schon seit gut siebzehn Jahren in unserem Land. Indem er sich damals eine lukrative Stelle bei einer Versicherung ergatterte, konnte er der trost- und arbeitslosen ostdeutschen Tristesse entfliehen und nach einiger Zeit sogar die Kaderposition eines pensionierten Kollegen übernehmen. Die Qualifikationen hierfür hatte er doch allemal. Und ja, jetzt ist es endlich soweit: Dank den glücklichen Fügungen des Schicksals
Michael Bürgin
15. Mai2 Min. Lesezeit
Zu Fernsehkrimis
Die in Krimis Involvierten sind (meistens) nicht von Natur aus mörderisch oder auch nur interessant in irgendeiner Weise. Es sind sozusagen Passanten, die Verdacht erregen. In der zur Verfügung stehenden Filmdauer, also in aller Eile, werden sie, sozusagen rückwärts in der Zeit, zu Tätern präpariert. (Februar 2013) Man lässt sich von Krimis unterhalten. Und je mehr Tode, desto weniger gehen sie einen an. Und d e r Tod im ausserunterhaltungsmässigen Sinne wird nicht
Roland Müller
13. Mai2 Min. Lesezeit
Das Schachbrett des Wahnsinns
Wenn er schreibt, treibt ihn die Schwulst, wenn er spricht, sticht ihn der Hafer. Auch da dreht er auf, Sprechen als Vorstufe zum Schreiben. Den Werterhalt des Vermögens schützen, sagt er etwa. Und wie er den Erhalt schützt statt der Sache selbst, führt er einen Dialog ohne zu sprechen, ohne ihn auszusprechen, heisst das: einen „unausgesprochenen Dialog mit dem Publikum“. Man könne nicht einfach nur an der Oberfläche herumsurfen, redet er weiter, man müsse sich grundsätzliche
Daniel Costantino
13. Mai4 Min. Lesezeit
Notizen 12
KI Die KI generiert Texte, Bilder und Musik. In Sekundenschnelle. Ich gehöre noch zu jenen, die Artikel für die Zeitung quasi von Hand schreiben. Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Wendung für Wendung, Satz für Satz. Ich gebe mir Mühe und fühle mich schlau dabei. Das hat etwas Rührendes und Lächerliches zugleich. «Einen Artikel schreiben? Ha! Wie peinlich ist das denn! Ey Alter, wach auf!» Ich spiele gern mit dem Feuer: Neulich hatte ich eigene Texte der KI zur Interpret
Caspar Reimer
13. Mai2 Min. Lesezeit


Sonntagsspazier
Wer Georg Kreisler kennt, weiss: Es soll sich schon einer nach dem Sonntagsspaziergang erhängt haben. Einfach so, weil Sonntagsspazier war. Ich persönlich mochte Sonntage nie besonders. Das liegt übrigens nicht am Montag, der folgt. Vielmehr scheint mir, als läge am Sonntag etwas bar, was zwischen Montag und Samstag verdeckt ist. Während der Woche muss – wo kämen wir hin? – Geld generiert werden. Samstag Shoppingmeile. Und am Sonntag soll man sich… davon erholen? Für mich hat
Caspar Reimer
6. Mai2 Min. Lesezeit
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Fotos: www.pixabay.com
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