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Schwatz zum Sonntag
Die Frage «Kann das schon alles gewesen sein?» setzt voraus, dass es einem irgendwie gut geht. Sie ist ein Trost und eine Aufforderung zugleich. Ein paar Sonnenstrahlen, Sommerfarben, ein laues Lüftchen und die Einsicht, dass noch Zeit bleibt. Achtsamkeit ist das Zauberwort. Für sich selbst und die Welt. Das wünscht sich jeder Psychiater, der seinen Patienten Tabletten verteilt: vom Wrack in eine zufriedene Existenz mit Plänen. Da liegt, falls das Geld reicht, noch ein Abente
Caspar Reimer
vor 21 Stunden2 Min. Lesezeit
Witze
Theorien über Witze haben es schwer, ernst genommen zu werden. (Oktober 2013) Beim Witzeerzählen gibts keine Vorsicht. Das Trübe kommt ganz ungefiltert daher. Aber die frechen Gesichter hellen sich auf. (Oktober 2017) Die besten Witze sind die, die das eigene Besondere betreffen. Also: Schwule lachen über Schwule, Blondinen über Blondinen (manchmal), Juden über Juden sowieso. Aber: Fromme über Fromme? (April 1996) Humorlose bringen einen immer wi
Roland Müller
vor 21 Stunden1 Min. Lesezeit
Die Sprachkritik im Hinterhof
Teil I Über dem Satz „Der Verwalter des kleinen Hotels, in dem ich wohnte, wollte es renovieren“ entbrannte in einer Abendgesellschaft unter zwei Koryphäen ein Streit. Es hatte ihn ein Rezensent auf die Frage eines Anwesenden hin zitiert, womit er sich denn gerade beschäftige. Mit Ionesco, kam die Antwort. Dem Solitaire, seinem einzigen Roman. Und dann sprach er diesen Satz in die Runde, die sich um zwei lange Holztische im Winkel eines Hinterhofs gruppierte. Er wiederholte i
Daniel Costantino
vor 22 Stunden4 Min. Lesezeit
Im deutschen Gartenbad
Neulich im Gartenbad zeigte sich das Leben von der versöhnlichen Seite. Eigentlich geschah nichts. Und dieses Nichts war ihm nicht bedrohlich, nein: Die Langeweile nahm ihn bei der Hand und zeigte ihm die Existenz. Ja, so war es. Er hatte keinen Stress: Die meisten Schulden waren abbezahlt und er hatte ein regelmässiges Einkommen. Was will man mehr? Er lag auf dem Rücken, spürte das warme Gras und schnupperte ein Lüftchen, studierte das Grün der Baumkrone und die Muster der V
Caspar Reimer
27. Mai3 Min. Lesezeit
Über das Schreiben
Das Tagebuch - die Gedankenbrut im melancholischen Nest. (Januar 2012) Ein Wahn: zu glauben, man müsse schreiben (mit der Ahnung einer existenziellen Dringlichkeit). Dabei würde man den Tag auch so ganz ordentlich überstehen. (November 2014) Manche Tage sind so gut, dass jede Notiz über sie ein Makel wäre. (Januar 2000) Das jederzeit Erlösende eines guten Gedankens! (September 2016) Schreiben, immer wieder, ist so etwas wie „an den Ding
Roland Müller
27. Mai1 Min. Lesezeit
Kratzer mit Rührei
Dass ein Zusammengekratztes, in die strenge Ordnung des Besitzes gezwängt, nach und nach als ein Zusammengehörendes erscheint, nun gut. Aber wie kommts, dass Menschen wie Sklaven in diese Ordnung sich fügen und wie in etwas Unumstössliches schicken? Dass ihnen daraus ein Wohlbefinden erwächst und aus den Besetzten Besessene werden, die für fremden Besitz ihr Blut hergeben, als wäre es das Natürlichste der Welt? Wie kann sichs ihnen gehören dazuzugehören, wenn ihnen garnichts
Daniel Costantino
27. Mai2 Min. Lesezeit


Zug spielen
Als Kind spielte er manchmal Zug. Dabei gab es keine Modelleisenbahn. Das wollte er gar nicht. Der Zug fuhr in seinem Kopf. Er gab Struktur, Halt und immer etwas zu tun. Ging er mit der Familie zu Berge, legte er sich Route und Fahrplan zurecht, rechnete es so aus, dass Zugfahrt und Wanderung zur gleichen Zeit endeten. Es war die Schöpfung einer Parallelwelt, die es ihm ermöglichte, von der einen Welt, gab es da eine Durststrecke, in die andere zu wechseln. Die Zugfahrten in
Caspar Reimer
20. Mai1 Min. Lesezeit
Beiläufiges zu Kunst und Musik
Alberto Giacometti Habe mir eben einen Film über einen Photographen angeschaut, der im Bergell an die tausend Photos von Tal und Leuten gemacht haben soll. Da kommt natürlich auch Alberto Giacometti ins Bild, der von hier stammt und auch in seiner Pariser Zeit oft hier weilte. Er liess sich dann jeweils von den Dorfkindern Draht bringen, um den herum er mit Gips diese schmalen Figürchen bastelte, die erstaunlicherweise etwas Gelungenes an sich hatten. (Dezember 2013)
Roland Müller
20. Mai2 Min. Lesezeit
Schnipsel für Auge und Ohr
Manches liest man, manches hört man. Vieles Gehörte kriegt man niemals zu lesen. Kann es dann wahr sein? Diese Frage verrät, dass man den Schlingen seiner Erziehung niemals entkommt: Nur auf das, was schwarz auf weiss geschrieben steht, sei Verlass. Was für ein Trugschluss. Und erst recht, nach dieser Entdeckung den Rückschluss zu ziehen, auf das Gehörte sei desto besserer Verlass. Mit der Zeitung, gelogen oder gebogen, stopft man sich zu, bis das Gelesene Schnipsel um Schn
Daniel Costantino
20. Mai2 Min. Lesezeit
Rainer
Rainer, 39, gross gewachsen und stets frisch rasiert, lebt nun schon seit gut siebzehn Jahren in unserem Land. Indem er sich damals eine lukrative Stelle bei einer Versicherung ergatterte, konnte er der trost- und arbeitslosen ostdeutschen Tristesse entfliehen und nach einiger Zeit sogar die Kaderposition eines pensionierten Kollegen übernehmen. Die Qualifikationen hierfür hatte er doch allemal. Und ja, jetzt ist es endlich soweit: Dank den glücklichen Fügungen des Schicksals
Michael Bürgin
15. Mai2 Min. Lesezeit
Zu Fernsehkrimis
Die in Krimis Involvierten sind (meistens) nicht von Natur aus mörderisch oder auch nur interessant in irgendeiner Weise. Es sind sozusagen Passanten, die Verdacht erregen. In der zur Verfügung stehenden Filmdauer, also in aller Eile, werden sie, sozusagen rückwärts in der Zeit, zu Tätern präpariert. (Februar 2013) Man lässt sich von Krimis unterhalten. Und je mehr Tode, desto weniger gehen sie einen an. Und d e r Tod im ausserunterhaltungsmässigen Sinne wird nicht
Roland Müller
13. Mai2 Min. Lesezeit
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Fotos: www.pixabay.com
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